Einmal jährlich tagt das Marktforschungsunternehmen Gartner Inc., um die wichtigsten Technologietrends des kommenden Jahres zusammenzutragen. Im Jahr 2020 erwarten uns nach Meinung der Experten ein paar übermenschliche Veränderungen.

Digitaler Fortschritt verändert die Ansprüche an Konsumenten, Arbeitnehmer oder Unternehmer. Wer nicht abgehängt werden will, der muss sich lebenslang fortbilden. Diese 10 IT-Trends solltest du heute kennen:

1. Human Augmentation (Augmentation des Menschen)

Mann mit Silberblase vor dem Gesicht - Technologietrends 2020 -Foto von Felipe Silva auf Unsplash

Bei dem Trend „Human Augmentation“ geht es darum, Menschen ein besseres Gespür oder neue Fähigkeiten zu verleihen. Durch den Einsatz von Technologie an oder im Körper einer Person können so die kognitiven und physischen Erfahrungen verbessert werden.

Hierbei kann es sich um schlichte Wearables am Arbeitsplatz handeln, die Arbeitssicherheit oder Produktivität verbessern. Es geht aber auch deutlich SciFi-lastiger, wie die vier verschiedenen Typen der menschlichen Augmentation zeigen:

  • Sensorische Verbesserung (sehen, hören, fühlen)
  • Verbesserung von Extremitäten und Körperfunktionen (Prothesen und Exoskelette)
  • Gehirntuning (z. B. durch Implantate)
  • Genetische Verbesserung (z. B. Gen- und Zelltherapien)

Sind wir also bald alle Superhelden? Und wenn jeder ein Superheld ist, sind Superhelden dann überhaupt noch super? Fragen über Fragen.

2. Demokratisierung von Fachwissen

Das klingt zwar ziemlich theoretisch, jedoch ist dieser Trend eigentlich mit einem Wort erklärt: Wikipedia. In Bezug auf Technologie und Wissen bedeutet das Wort „Demokratisierung“ schlichtweg, dass alle Menschen einen Zugang zu technischem oder geschäftlichem Fachwissen bekommen, ohne hierfür hohe zeitliche oder finanzielle Investitionen tätigen zu müssen.

Diese Aussicht treibt so genannte Experten natürlich erstmal auf die Palme: Wenn doch jeder alles kostenlos lernen darf, was habe ich als Experte und Berater dann überhaupt noch für einen Wert? Diese Angst ist nur halb begründet, denn „über Wissen verfügen“ und „Wissen richtig anwenden“ sind noch immer zwei Paar Schuhe.

In den vier Schlüsselbereichen

  • Entwicklung
  • Daten und Analytik
  • Design
  • Wissen

jedenfalls wird es laut Gartner bald sehr öffentlich zugehen. Fakt ist, dass die Demokratisierung von Wissen ein Schritt in Richtung Chancengleichheit ist.

3. Multiexperience

Menschen unter einem Ufo - Technologietrends 2020Foto von Hanson Lu auf Unsplash

Multiexperience ist die Interaktion mit einem Computer auf mehreren Ebenen, durch mehrere Schnittstellen. Statt vor einer Tastatur zu sitzen, kommunizieren wir hier durch Sensoren, Mikrofone, Kameras und weitere Internet-of-Things-Devices. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt.

Angefangen beim schlichten Wearable, kann sich die Multiexperience zu einer komplett neuen Welt der immersiven Erfahrung entwickeln, in der ein Mensch komplett und mit allen Sinnen in einem virtuellen Raum mit einem Computer interagiert.

4. Hyperautomatisierung

Automatisierung war gestern. Die Zukunft der Industrie liegt laut Gartner in der Hyperautomatisierung. Hier geht es nicht mehr nur darum, die Handgriffe und Fähigkeiten eines Menschen von Computern und Robotern ersetzen zu lassen, sondern sie mit einer komplexen Kombination aus fortschrittlichen Technologien (Hardware, Software, künstliche Intelligenz und „Machine Learning“) in einem stetigen Analyse- und Anpassungsprozess zur absolut effizientesten Automatisierung zu machen, die überhaupt möglich ist.

Bei der Hyperautomatisierung entsteht ein „Digitaler Zwilling“, eine intelligente, digitale Kopie des realen Systems, die als repräsentatives Testfeld für alle Optimierungsmaßnahmen genutzt werden kann. Ziel solcher Automatisierungsprozesse ist meist die KI-gesteuerte Entscheidungsfindung.

5. KI-Sicherheit

Schild No Robots Allowed - Technologietrends 2020Foto von Marija Zaric auf Unsplash

Die Entwicklung künstlicher Intelligenz war bisher Privatsache. Wenn Unternehmen, wie oben skizziert, aber in Zukunft operativ von künstlicher Intelligenz statt von menschlichen Geschäftsführern geleitet werden könnten, dann entstehen unberechenbare Gefahren.

Experten warnen schon lange vor den Folgen absichtlich herbeigeführter Fehlfunktionen; Wissenschaftler fordern Maßnahmen. Damit die künstliche Intelligenz nicht zu einer Waffe von Kriminellen wird oder aus anderen Gründen außer Kontrolle gerät, muss sie jetzt und in Zukunft immer vom Menschen kontrolliert und reguliert werden.

6. Practical Blockchain

Mann umgeben von Lichtstrahl - Technologietrends 2020Foto von Clayton Cardinalli auf Unsplash

Näher an der Wahrheit, mehr Vertrauen und Transparenz bei Lieferketten und im Geldverkehr, keine fiktionalen Gebühren, keine intransparenten Kostenmodelle und keine absichtlichen Verzögerungen bei Transaktionen. Das alles beschreibt die Blockchain ganz gut.

Jedoch „leidet“ die Technologie derzeit noch unter schlechter Skalierbarkeit, verschlingt gigantische Daten- und Energiemengen und kann kaum anständig mit anderen Systemen kommunizieren. Große Teile dieser Probleme sollen bis zum Jahr 2023 aus der Welt geschafft worden sein – und somit wären die größten Hindernisse bei der praktischen Anwendung der Blockchain aus dem Weg geräumt.

In Zukunft sollen ergänzende Technologien wie künstliche Intelligenz und IoT-Devices leicht in die Kette integrierbar sein. So könnte zum Beispiel ein Auto die eigenen Versicherungspreise direkt mit der Versicherungsgesellschaft auf der Grundlage der von ihren Sensoren erfassten Daten aushandeln.

7. Distributed Cloud (verteilte Cloud)

Microchip leuchtet blauFoto von Adi Goldstein auf Unsplash

Als PACE User ist die Cloud für dich natürlich kein Neuland mehr. Neu könnte für dich allerdings die neue Herangehensweise mancher Cloud-Anbieter sein: Die Verteilung von Cloud-Diensten auf unterschiedliche Standorte. Hierbei steuert ein Anbieter zwar weiterhin zentral seine Dienste und trägt für alle Aspekte der Architektur, Bereitstellung, Wartung und Betrieb die Verantwortung, hat aber häufige technische Probleme, wie z. B. die Latenz durch die Dezentralisierung, gelöst.

8. Empowered Edge

Über Edge-Computing (oder auch „Empowered Edge“) haben wir bereits vor einigen Monaten in den Technik-Trends für 2019 geschrieben. Seither hat sich nicht viel verändert. Bei Empowered Edge geht es um eine Verringerung der Latenz durch Dezentralisierung (die Informationen werden schlichtweg näher an den Quellen verarbeitet).

9. Transparenz und Nachverfolgbarkeit

Mann mit Lichtschwert vor Skyline - Technologietrends 2020Foto von Yiran Ding auf Unsplash

Dieser Punkt schließt unmittelbar an die Punkte 5. KI-Sicherheit und 6. Blockchain an. Die technologische Vertrauenskrise wird uns zwingen, uns auf Ethik, Integrität, Offenheit, Rechenschaftspflicht und Beständigkeit zu fokussieren.

Ein großer Schritt in die richtige Richtung ist die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO), die von der EU verabschiedet wurde. Unternehmen, die gegen die Richtlinien verstoßen, werden teils mit sehr hohen Strafen belegt.

10. Autonome Dinge

Überraschung! (nicht) - Auch 2020 werden autonome Gegenstände weiter auf dem Vormarsch sein. Mit scheinbar quälender Langsamkeit ziehen die praktischen Helferlein in unseren Alltag ein. Das Ausbleiben des großen Aha-Effekts liegt vor allem daran, dass neue, hochwertige Technologien erst einmal denen gehören, die das nötige Geld haben. Wann wohl alle Menschen davon profitieren werden? Wir bleiben gespannt.