Weltweit gibt es über 20 Billionen IoT-Devices – Tendenz steigend. Das heißt, immer mehr Menschen wollen ihren Alltag mithilfe vernetzter Gegenstände smarter, effektiver und komfortabler gestalten. Auch das Geschäftsleben wird durch diese digitale Revolution grundlegend verändert. Wir beantworten die wichtigsten Fragen zum Internet of Things.

Was genau ist das Internet of Things?

Das Internet of Things (kurz: IoT, oder auch Internet der Dinge) beschreibt den Umstand, dass Geräte, die vorher „offline“ waren, nun miteinander und dem World Wide Web vernetzt sind. Ausgenommen sind hierbei Smartphones und Computer, die ohnehin ursprünglich der Vernetzung dienten.

Beim Internet der Dinge handelt es sich also um ein stetig wachsendes Netzwerk aus physischen Objekten, die mit ihren Sensoren Daten sammeln und diese Daten dann z. B. an eine Cloud weitergeben.

Wozu brauchen wir das Internet der Dinge?

Deutsche Industriebetriebe haben allein im Jahr 2017 7,2 Milliarden Euro Umsatz mit dem Internet of Things und dessen Anwendungen gemacht. Aus den denkenden, sprechenden Gegenständen ergibt sich nämlich eine Reihe von wirtschaftlichen Möglichkeiten. Vernetzt werden kann fast alles – Vom Kleidungsstück bis zum Rasierapparat.

Ein paar Beispiele:

  • Smart Home
    Durch die Abstimmung von Wohnkomponenten wie Lampen und Heizungen werden Kosten und Ressourcen gespart. Auch Sicherheitsüberwachung und Hausarbeit werden leichter. Das gern genommene Beispiel vom Kühlschrank, der selbständig neues Gemüse nachbestellt, ist ein fast schon wahr gewordener IoT-Traum. Samsung ist mit dem Family Hub zumindest nah dran.

  • Smart Healthcare
    Nicht nur Prozesse in Arztpraxen und Krankenhäusern können durch das IoT vorangetrieben werden. Auch so genannte „Wearables“, also am Körper tragbare IoT-Devices für die ganz persönliche Gesundheitsanalyse zuhause gibt es schon. Internet-Ärzte schicken bereits smarte Stethoskope ins Haus oder überwachen die gesamten Vitalfunktionen ihrer Patienten.

  • Smart City
    Stadtplaner können das Internet of Things nutzen, um das Leben der Bürger sicherer und komfortabler zu gestalten. Von der Verhinderung von Verkehrsstaus über Stadtbeleuchtung bis hin zum Abfallmanagement können die meisten städtischen Infrastrukturen stark optimiert werden.

  • Industrie 4.0
    Mithilfe der von Arbeitsgeräten, Autos und Maschinen gesammelten Daten und dem optimierten Zusammenspiel aller Komponenten sind Unternehmen in der Lage, bessere operative oder strategische Entscheidungen zu treffen. Die Industrie 4.0 verspricht höhere Qualität, Produktivität und Sicherheit.

  • Smartcars
    Smartcars oder auch Connected Cars sind schon seit einigen Jahren auf unseren Straßen unterwegs. Mit nachrüstbaren Services wie Notrufsystemen und Fahrtenbüchern sind sie vor allem für den einzelnen Autofahrer nützlich. Wenn in Zukunft alle Autos – unabhängig von ihrem Alter und ihrer Marke – miteinander kommunizieren könnten, würden Unfälle und Staus bald der Vergangenheit angehören.

  • Autonomes Fahren
    Die ersten „Gehversuche“ mit selbstfahrenden Autos geben uns einen Vorgeschmack auf eine sichere und maximal komfortable Mobilitätszukunft. Bis Technologie, Politik und Wirtschaft hier wirklich ihr angestrebtes Ziel erreicht haben, wird es aber noch lange dauern.

Auch im Internet of Things haben Apple, Google und Amazon die Nase vorn.jpgIm Internet of Things haben Apple, Google und Amazon die Nase vorn. Bild: PxHere

Was passiert mit den gesammelten Daten?

IoT ist praktisch – sowohl für den Endverbraucher als auch für die Industrie. Doch was hat die Firma, die mir eine vernetzte Zahnbürste oder die Digitalisierung meiner Geschäftsprozesse anbietet, überhaupt für ein Geschäftsmodell?

Für den Endverbraucher ist dies leicht zu erraten: Wer für die dauerhafte Nutzung einer IoT-Infrastruktur kein Geld von seinem Kunden verlangt, dem geht es mit großer Wahrscheinlichkeit um die Daten. Durch die Nutzung von Smart Devices fließen wertvolle Informationen in die Cloud des Anbieters, aus denen er wiederum wichtige Schlüsse für die eigene Geschäftsentwicklung ziehen kann.

Bei der Anbietersuche für den privaten Lebensbereich (wie z. B. Kameras oder Fitnessarmbänder) ist deshalb Vorsicht geboten: Ein Anbieter von Smart Devices muss seine Kunden ausführlich über Datenverwendung und Verschlüsselung informieren können. Auch muss er sicherstellen, dass persönliche Daten und so genannte „Schwarmdaten“, also anonymisierte Nutzungsdaten, streng getrennt gehalten werden.

Im Unternehmensbereich sind seriöse Digitalisierungs-Geschäftsmodelle ohnehin meist lizenzorientiert. Das heißt: Die Firma, die eine intelligente Cloud-Lösung eines Drittanbieters nutzen möchte, zahlt in der Regel sowohl Einrichtungs- als auch Nutzungsgebühren. Der Cloud-Anbieter gewährleistet wiederum, dass die Daten exklusiv verwahrt sind und nur von der auftraggebenden Firma genutzt werden können.

„Im Internet weiß niemand, dass du ein Kühlschrank bist.“

(Chaos Computer Club)

Wer schon jetzt panische Angst hat, vom chinesischen Kühlschrank seines Nachbarn belauscht zu werden, der kann sich langsam um eine elektrizitätsfreie Holzhütte in den Bergen bemühen. Für alle anderen sind unzählige Services auch bereits von deutschen Firmen erhältlich, die eigene Server in Deutschland betreiben und im Umgang mit Daten und Verschlüsselungen höchste technische und ethische Standards einhalten.

Geht das auch ohne Cloud?

Die Alternative zur Cloud eines Fremdanbieters wäre ein eigenes Serversystem. Jedoch sind die wenigsten Firmen und Privatpersonen, die jetzt mit der Digitalisierung beginnen, den massiven Anforderungen eigener Serverstrukturen gewachsen.

Besonders im Hinblick auf spezielle neue Services, die Unternehmen ihren Kunden anbieten wollen (und müssen, wenn sie konkurrenzfähig bleiben wollen), wird am Ende doch meist auf die Cloud-Infrastruktur eines Drittanbieters zugegriffen.

Der Trend geht hier zur Multicloud-Strategie, bei der alle Daten eines Unternehmens auf die Clouds mehrerer Anbieter verteilt werden. Diese Anbieter werden meist aufgrund ihrer speziellen Microservices ausgewählt. Durch die Verteilung der eigenen Daten auf mehrere Clouds ist die Auslagerung für viele Kunden außerdem weniger angsteinflößend: Keine der Firmen bekommt alle Daten gleichzeitig.

Kann ich verhindern, ein Teil von Big Data zu werden?

Beim Begriff „Big Data“ kommen viele Menschen, die sich mit Smart Home, E-Health oder Connected Cars beschäftigen, ins Schwitzen. Zu groß ist die Angst, zum „gläsernen Bürger“ zu werden. Die Gründe sind nachvollziehbar. Aber ist es wirklich ausnahmslos schlecht, wenn anonymisierte Nutzungsdaten in den Big Data Pool einfließen?

Nein, denn sie können auch viel Gutes tun. Wie sollen in Zukunft Autos miteinander kommunizieren und Unfälle verhindern, wenn Firmen und Personen nicht bereit sind, die Daten aus ihren Fahrzeugen zu teilen? Wie soll die digitale Früherkennung von Krankheiten funktionieren, wenn es keine genauen Informationen über Krankheitsverläufe gibt, aus denen die Computer lernen können?

Besonders für Firmen wie Google, Amazon und die Automobilhersteller gilt: Exklusives Hoheitswissen hilft vielleicht beim Geldverdienen, bringt die Menschheit aber nicht voran. In den Händen der richtigen Menschen kann Big Data tatsächlich Leben retten.

Cyborg Neil HarbissonInternet of Bodies? Cyborg-Aktivist Neil Harbisson trägt eine Antenne im Schädel. Foto By Dan Wilton/The Red Bulletin [CC BY 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by/2.0)], via Wikimedia Commons

Wie gefährlich ist das Internet of Things?

In den falschen Händen wiederum kann Big Data genau so viel Schaden anrichten wie ein gut gefülltes Waffenarsenal. Landesregierungen, die ohnehin zu Machtmissbrauch neigen, könnten die Daten nutzen, um ihre Bürger in Schach zu halten.

Ein recht anschauliches Beispiel für die zweifelhafte Verwendung von IoT-Devices ist in China zu finden. Dort sollen Angestellte in Fabriken und Zügen bereits Kopfbedeckungen tragen, die ihre Gehirnwellen auf plötzliche Veränderungen des emotionalen Zustands hin überwachen. Wie lange wird es noch dauern, bis Cyborgs, also permanent vernetzte Menschen, salonfähig werden?

Ein Szenario, das vielen Menschen auch in Deutschland Angst macht: Krankenversicherungen könnten Tarife auf Basis der von Fitnesstrackern und anderen E-Health Devices gesammelten Daten anbieten. Das Problem hierbei ist, dass eine Gesundheitsprognose kaum auf die Anzahl getaner Schritte, die Auswertungen einer Zahnbürste oder einem Hirnwellenmesser reduziert werden kann. Es besteht die Gefahr eines aufkommenden Digital-Faschismus, der die Komplexität eines Menschen auf die schlichten ja/nein Entscheidungen von Algorithmen reduziert.

Es lauern aber noch weitere Gefahren: Die stetig wachsende Datenflut wird eine Revolution unserer Computertechnologie nötig machen. Wissenschaftler auf der ganzen Welt arbeiten bereits am Konzept des Quantencomputers. Es geht die Angst um, dass die Geburtsstunde des Quantenrechners auch der Tag sein wird, an dem unsere modernen Sicherheitsstandards ein für alle Mal ausgehebelt sein werden. Quantenresistente Verschlüsselungen existieren bereits – sie müssen nur eingesetzt werden. Digitale Sicherheit ist jedoch oft ein ökonomisches und kein technisches Problem.

Fazit: Was müssen wir jetzt tun?

Besonders auf mittelständischen und kleinen Betrieben lastet ein enormer Kostendruck, weshalb staatliche Subventionsprogramme unbedingt nötig sind, um die zeitgemäße Verschlüsselung in allen datenverarbeitenden Unternehmen zu gewährleisten.

IT-Konzerne und Hardware-Hersteller müssen außerdem ihr Silodenken aufgeben und damit beginnen, gemeinsam für eine sichere Zukunft zu arbeiten, in der IoT-Devices wie z. B. Connected Cars oder Arbeitsmaschinen, unabhängig von ihrer Marke, reibungslos und sicher zusammenarbeiten können.

Das Internet of Things wird unseren Lebensstandard in den kommenden Jahren enorm verbessern. Jedoch müssen Verbraucher und Firmen über die Risiken von vernetzten Gegenständen aufgeklärt und im Bereich der Datensicherheit unterstützt werden. Trotz aller Vorteile für die Menschheit müssen auch der massenhaften Datenauswertung Grenzen gesetzt sein, besonders im persönlichen Bereich. Einer Diskriminierung oder Entsolidarisierung aufgrund von Big Data ist unbedingt entgegenzuwirken. Politik und Industrie müssen gewährleisten, dass der Endnutzer zu jedem Zeitpunkt über Art und Umfang des Datenflusses aufgeklärt ist und selbst eingreifen kann.