„Smart“ ist das Versprechen einer ganzen Technik-Generation. Egal ob Uhren, Kühlschränke oder Zahnbürsten – neue Anschaffungen müssen heute „connected“, also Teil des Internet of Things sein. Wer sich die neuen Produkte nicht leisten kann, rüstet einfach nach. Besonders beim Autofahren ist dies zum Trend geworden.

Wir optimieren uns selbst und unseren Alltag heutzutage kontinuierlich. Vom Wocheneinkauf bis zum Sportprogramm – lästige Aufgaben werden einfach an unsere Smartphones, Tablets, PCs und Uhren delegiert. Dass auch immer mehr Leute sich von ihrem Auto unangenehme Arbeiten abnehmen lassen, ist da logisch.

Die Idee von intelligenten Autos ist nicht neu: Erinnern wir uns nur an David Hasselhoffs K.I.T.T. oder die legendären Wagen von James Bond. Glücklicherweise kommen die meisten von uns ohne Schleudersitz, Enterhaken oder montierte Waffen am Auto aus. In Zukunft werden wir aber immer mehr Dinge aus unseren Fahrzeugen heraus und sogar während der Fahrt erledigen können.

Werkstatt 4.0

Was macht ein Auto smart?

Automobilhersteller liefern sich seit Jahren ein spannendes Kopf-an-Kopf-Rennen um die Zukunft der Mobilität. Für den Autofahrer springen Features wie Fehlercodeanalysen, automatische und finanzamtkonforme Fahrtenbücher, Find-My-Car-Funktionen, Tankstellenpreisvergleiche oder lebensrettende Notfalldienste heraus.

Die neuen Talente der Autos helfen aber auch der Industrie, in Zukunft effektiver zu arbeiten und den Kunden bessere Services anzubieten. So gibt es etwa Remote-Analysen in der Werkstatt 4.0, pay-as-you-drive Tarife für Versicherungskunden und das so genannte „Connected Fueling“, das Autofahrer und Tankstellen miteinander vernetzt und so bargeldloses Tanken und Einkaufen an Tankstellen ermöglicht.

Ohne Zusammenarbeit geht es nicht

Kommunikation ist der Dreh- und Angelpunkt smarter Fahrzeuge und ihrer Services. Möglich werden Smartcars vor allem dadurch, dass Ingenieure und IT-Entwickler branchenübergreifend immer enger zusammenarbeiten. Gebraucht werden flexible IoT-Plattformen mit Microservices und Zugangspunkten (APIs) für die Mobilitätsindustrie und angrenzende Bereiche wie z. B. Smart Home und Smart City.

Da die Integration einer bereits fertigen Technologie schneller und kostengünstiger ist als eine Eigenentwicklung, entscheiden sich immer mehr Automobilhersteller dazu, mit Startups zu kooperieren. Heraus kommen ganz neue Generationen von „Connected Cars“.

IoT Cloud

Smartcars schließen die Sicherheitslücke zum autonomen Fahren

Die größte Frage ist hier wie in allen Bereichen der Vernetzung die nach der Sicherheit. Deshalb entscheiden sich heutzutage sogar Prüforganisationen wie DEKRA für die Kooperation mit IoT-Firmen, die ausgeklügelte Konzepte entwickelt haben. Mit neuen Algorithmen soll gemeinsam die Verkehrssicherheit in Deutschland deutlich verbessert werden.

Neben der ablenkungsfreien Servicewelt innerhalb des Autos steht natürlich auch die Weiterentwicklung des autonomen Fahrens auf der Agenda der Automobilkonzerne. Auch hierauf sind die Smartcar-Firmen bereits vorbereitet: „Wir können unsere Mehrwertdienste in Zukunft mit vielen Elementen ergänzen, die das Autofahren auch in autonomen Fahrzeugen noch angenehmer und unterhaltsamer machen.“, so Dr. Martin Kern, Gründer und Geschäftsführer des IoT-Startups PACE. Das unternehmen ebnet Autofahrern und Businesskunden seit 2015 den Weg in das Internet of Things.

Autohersteller und Gesetzgeber arbeiten darauf hin, dass bis 2020 autonom fahrende Autos auf Deutschlands Straßen unterwegs sind. Als Vorreiter der Entwicklungen zählen auch die IT-Profis Google und Apple. Eine Studie der Deutschen Bank kommt allerdings zu dem Ergebnis, dass die von Computern gesteuerten Fahrzeuge nicht vor dem Jahr 2040 den Markt beherrschen werden.

Was werden Smartcars in Zukunft können?

Doch auch ohne das autonome Fahren sind Smartcars bereits zu erstaunlichen Dingen fähig: Intelligente Autos erkennen nicht nur, was um sie herum geschieht, sondern sollen auch in der Lage sein, Unfälle vorherzusagen. Mercedes verbaute beispielsweise mit PRE-SAFE ein System, das ein Knalltrauma schon vor einem Crash verhindern soll: Kurzzeitiges „Rosa Rauschen“ des Radios vor dem Aufprall bedingt einen Reflex am Ohr, welcher das Trommelfell schützt.

In Zukunft sollen Smartcars auch das Verhalten von Passanten vorhersagen. Durch die Analyse der Bewegung eines Fußgängers weiß das Auto bereits vor dem Fahrer, ob dieser die Straße überqueren will und das herannahende Fahrzeug übersieht. Es geht sogar noch einen Schritt weiter: Durch zusätzliches Eye-Tracking, welches beispielsweise bei Audi oder auch in der Scheinwerfer-Technik bei Opel bereits verbaut wird, könnte das Fahrzeug in Zukunft sogar von sich aus einschätzen, ob der Fahrer gerade einen Passanten übersieht.

Wie smart ist Deutschland schon?

Das durchschnittliche Alter eines Autos in Deutschland ist 9 Jahre. Das heißt, sehr viele der Autos, die heute verkauft werden, werden auch in 9 Jahren noch auf unseren Straßen unterwegs sein. In ganz Europa sind noch 140 Millionen Fahrzeuge offline, aber theoretisch Smartcar-fähig (das heißt: Mit einer entsprechenden OBD2-Schnittstelle ausgestattet, die die schnelle und günstige Umwandlung in ein Connected Car ermöglicht).

Laut Statista wird der Umsatz im Connected Car Markt in Deutschland etwa 2 Milliarden Euro betragen; im Jahr 2022 bereits 2,45 Milliarden. Schon jetzt sind 10 Millionen Connected Cars auf unseren Straßen unterwegs, wobei in den Statistiken nicht näher auf die individuellen Talente dieser Autos eingegangen wird.

Die meisten neuen Fahrzeugmodelle bieten einen Teil der so genannten „Connected Services“ an, doch im Hinblick auf User Experience und die Anzahl der angebotenen Features ist bei vielen noch Luft nach oben. Auch gibt es bei den Herstellern häufig keine Lösung für jene Autos, die noch nicht vernetzt sind, aber trotzdem noch verkauft werden müssen.

Pioniergeist und Wettbewerbsstreben treiben deshalb immer mehr Konzerne in die Arme der smarten Startups. Sie wissen: Die Kundschaft erwartet mehr als lediglich ein großes Smartphone im Cockpit. Daher sind Unternehmen wie PACE im Aufwind, die den Konzernen auf unkomplizierte Weise den Schritt in das Internet of Things ermöglichen.

Viele Mobilitätsmodelle werden sich auf die Weiterentwicklung von Sensoren, künstliche Intelligenz (AI), „Machine Learning“ und somit natürlich auf das autonome Fahren konzentrieren. Bis zur vollen Automatisierung wird aber noch viel Zeit vergehen.