„Smart“ ist das Versprechen einer neuen Generation technischer Finesse. In der Mittagspause mal eben den Einkauf über das Smartphone zu erledigen oder das letzte Workout über die Smartwatch auszuwerten gehören zum Standard. In Zukunft werden wir beides während der Fahrt im Auto tun können – denn es entwickelt sich zum echten Multifunktionsassistenten!

Was macht ein Auto smart?

Die Idee von intelligenten Autos ist nicht neu: Erinnern wir uns nur an Herbie, den perlweißen VW Käfer, David Hasselhoffs K.I.T.T., das Batmobil oder die legendären Wagen von James Bond! Besaßen Herbie und K.I.T.T. noch einen eigenen Charakter (weswegen sie übrigens einen eigenen Namen bekamen), rückte später die technische Ausstattung der Fahrzeuge immer weiter in den Mittelpunkt. Glücklicherweise kommen die meisten von uns ohne Schleudersitz, Enterhaken oder montierte Waffen am Auto aus, sodass diese fantastischen Spielereien auch weiterhin auf der Leinwand verbleiben. Was in den Köpfen einiger Filmemacher entstand, ist auch in der Wirklichkeit von Wissenschaft und Autoherstellern aufgegriffen worden. So ist die Kommunikation mit dem eigenen Fahrzeug über Sprachbefehle sowie das autonom fahrende Auto theoretisch kein Problem mehr.

Kommunikation ist deswegen auch der Dreh- und Angelpunkt smarter Fahrzeuge. Intelligente Autos – Smartcars – erkennen die Wünsche des Fahrers und die Anforderungen der Umgebung und sollen so zu mehr Sicherheit und Fahrvergnügen beitragen. Diese Entwicklung krempelt die Automobilbranche momentan kräftig um. Ingenieure und IT-Entwickler arbeiten branchenübergreifend immer verzahnter zusammen und ermöglichen so innovative Lösungen.

Autonomes Fahren ist kein Hexenwerk mehr

Die Königsdisziplin der Fortbewegung stellt wohl das autonome Fahren dar. Das vollkommen führerlose Fahrzeug reagiert dabei selbständig und ist auf keinen Fahrer mehr angewiesen. Bis diese Stufe erreicht ist, wird es zwar noch dauern, allerdings sind Autos mittlerweile in der Lage hochautomatisiert zu fahren. Bisher auf Autobahnen erfolgreich getestet, kann sich der Fahrer kurzzeitig anderen Dingen widmen, und der Wagen führt Manöver wie das Blinken und Spurwechsel von allein durch. Der Gesetzgeber arbeitet bereits daraufhin, dass bis 2020 diese Art der Fahrzeuge zugelassen werden. Der Clou: Nicht nur Autohersteller arbeiten an dem System. Als Vorreiter zählen auch die IT-Profis Google und Apple.

Smartcars agieren bevor wir reagieren

Neben dem Komfort einer besseren Bedienung steht auch die Sicherheit im Fokus der Entwickler. Smartcars erkennen nicht nur potentielle Gefahren, sondern werden sogar in der Lage sein, Unfälle vorherzusehen und entsprechend zu handeln. Mercedes verbaute so bereits ein System, das das Knalltrauma schon vor einem Crash verhindern soll: kurzzeitiges Rauschen des Radios vor dem Aufprall bedingt einen Reflex am Ohr, welcher das Trommelfell in eine geschützte Position bringt.

Intelligente Autos erkennen nicht nur, was um sie herum geschieht, sondern sollen beispielsweise sogar in der Lage sein, das Verhalten von Passanten vorherzusagen. Durch die Analyse der Bewegung von Fußgängern weiß das Auto bereits vor uns, ob dieser die Straße überqueren will und das herannahende Fahrzeug übersieht. Doch es geht noch einen Schritt weiter, denn durch zusätzliches Eye-Tracking, welches für Scheinwerfer-Technik bereits verbaut wird, könnte das Fahrzeug sogar von sich aus einschätzen, ob der Fahrer Passanten übersieht.

So manchem Autofahrer sind diese Entwicklungen ein Dorn im Auge. Sie fürchten um ihre Autonomie und wollen sich nicht von ihrem Pkw in ihrer Fahrweise einschränken lassen. Diesen Bedenken stehen die Autobauer offen und beschwichtigend gegenüber. Schließlich sollen die neuen smarten Systeme nicht den Fahrspaß hemmen, sondern dafür sorgen, uneingeschränktere Freude am eigenen Auto zu haben.

Mensch und Maschine – Kommunikation mit der Technik

Viel zu lange haben die Autobauer sich dem Entwicklungen in der Softwarebranche verschlossen und sich auf ihre Wettbewerbsfähigkeit konzentriert. Als Sozius ist der Bordcomputer heute unverzichtbar, doch ist es dem Fahrer kaum möglich, mit diesem zu kommunizieren. Dies führt nicht selten dazu, dass viele Kraftfahrer bei einer Fehlermeldung die Werkstatt aufsuchen müssen. Handelt es sich dabei um „Phantomanzeigen“ ist das natürlich besonders ärgerlich. Genau solch eine Schnittstelle ist es, an der innovative Lösungen gebraucht werden. Der PACE Link beispielsweise setzt genau dort an, wo diese Kommunikation bisher nicht vorgesehen ist und hilft unter anderem dabei, den Fehlerspeicher des Autos selbst auszulesen.

Als alternativer Lösungsweg sollen Sprachassistenzsysteme in Zukunft die Kommunikation mit dem Fahrzeug erleichtern. Allerdings führen diese viel zu oft zu Frust, denn selbst bestes Hochdeutsch wird vom System als Kauderwelsch fehlinterpretiert. Also eine eigene Sprache entwickeln, um das eigene Auto während der Fahrt bedienen zu können? Es ist noch viel Entwicklergeist gefragt, bis serienreife Lösungen eine verlässliche Kommunikation ermöglichen und jedes Auto ein bisschen zu K.I.T.T. machen.

Und was passiert mit den Daten?

Die große Unbekannte ist und bleibt dabei die Frage nach dem Verbleib der Daten, denn Smartcars sammeln diese zuhauf. Wer gern welche Musik beim Autofahren hört oder welche Strecken zurückgelegt werden, ist dabei nicht von Belang. Viel interessanter sind die Daten, die beispielsweise den Fahrstil betreffen. Versicherer könnten mit diesen zum Beispiel Tarife anpassen und bei Ungereimtheiten Unfälle besser untersuchen. Natürlich liegt dies auch im Interesse der Fahrer – wäre da nicht der fade Beigeschmack, sich vollkommen preiszugeben. In Deutschland ist die Verwendung solcher Daten gesetzlich geregelt. Erklärt der Nutzer sich mit der Auswertung oder sogar Weitergabe seiner Daten an Dritte einverstanden, könn(t)en die Hersteller diese nach Gutdünken weiterverkaufen. Haben die Anbieter ihre Firmensitze jedoch im Ausland, ist die rechtliche Situation für den Laien durch Klauseln und Einschränkungen in den Nutzungsbedingungen oft nicht mehr zu verstehen. Kritisches Nachfragen und prüfen des Angebotes bleiben deswegen die Maßnahmen erster Wahl.

Ein steiniger Weg

Die Möglichkeiten sind gegeben und es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis sich die Branchenriesen zusammenschließen und uns das Smartcar mit sämtlichen Features anbieten. Die Lösungsansätze sind vielversprechend und lassen bereits jetzt mehr Spaß am Fahren und neue Standards für gleich mehrere Industrien erwarten. Ein wenig mehr Entdeckerfreude und Pioniergeist würde der Automobilbranche in diesem Bereich gut stehen, denn die Kundschaft erwartet mehr als lediglich ein großes Smartphone im Cockpit. Der moderne Autofahrer will sein Fahrzeug besser verstehen lernen und die Effizienz des Fahrens steigern.