Ginge es nach der Bundesregierung sollte Deutschland Vorreiter in Sachen Elektromobilität werden. Bis 2020 sollten laut Plan eine Million elektrisch angetriebene Autos die Straßen bevölkern – allerdings machen die deutschen Autofahrer diesem ambitionierten Ziel einen ordentlichen Strich durch die Rechnung. Das E-Auto ist da; doch warum möchte es hier nur niemand haben?

Die Elektomobil-Pläne der Deutschen

Es ist einfach ein Krampf! Alle möchten so gern, aber niemand will wirklich der erste sein: Das Elektroauto ist den Deutschen immer noch nicht so richtig geheuer. Einfach losfahren und nicht sicher sein können, ob man am Ende der Batterie auch eine Ladestation findet? Zu unflexibel, urteilen deswegen viele Autofahrer und bleiben ihren Benzinern und Dieselfahrzeugen lieber treu. Für die Bundesregierung bedeutet das wiederum eine Blamage. Schließlich vertraute diese auf die Prognose der eigens ins Leben gerufenen „Nationalen Plattform für Elektromobilität“ - ein Beratungs-Potpourri aus Vertretern aus Industrie, Wissenschaft, Politik, Verbänden sowie einer Gewerkschaft. Noch im Jahre 2011 hielt dieses Gremium es für realisierbar, dass bereits im Jahre 2020 eine Million Elektroautos in Deutschland genutzt werden könnten. Die Voraussetzungen dafür müssten jedoch ausgehend von der Politik geschaffen werden.

Mit dem Elektromobilitätsgesetz („Gesetz zur Bevorrechtigung der Verwendung elektrisch betriebener Fahrzeuge“) wurde dafür im Juni 2015 ein wichtiger Schritt getan. Dieses Gesetz gibt Gemeinden die Grundlage dafür, E-Fahrzeuge im öffentlichen Raum bevorzugt behandeln zu können.


Laut § 3 sind Bevorrechtigungen möglich:
  1. “für das Parken auf öffentlichen Straßen oder Wegen,

  2. bei der Nutzung von für besondere Zwecke bestimmten öffentlichen Straßen oder Wegen oder Teilen von diesen,

  3. durch das Zulassen von Ausnahmen von Zufahrtbeschränkungen oder Durchfahrtverboten,

  4. im Hinblick auf das Erheben von Gebühren für das Parken auf öffentlichen Straßen oder Wegen.“



Der große Startschuss für die massenhafte Anschaffung von E-Cars ist das sicherlich nicht. Allerdings ist es eine erste gesetzliche Grundlage, die Autofahrern zumindest beweist, dass die deutsche Bundesregierung es mit dem Projekt „Nachhaltigkeit“ ernst meint. Zur Jahresmitte 2016 wurde mit einer konkreten Kaufprämie, dem „Umweltbonus“, die nächste Charmeoffensive durchgesetzt – allerdings verzeichnet auch diese keinen berauschenden Erfolg. Im ersten Monat der Prämienverfügbarkeit wurde diese gerade einmal 1800 Mal beantragt. Gemessen an einer Summe von 1,2 Milliarden Euro, beträgt das gerade 0,6 Prozent der Fördersumme . Dabei sind die Summen beachtlich: 4.000 Euro für Autos mit reinem Elektroantrieb, 3.000 Euro für Hybride.

Elektromobilität: Geld, das niemand möchte

In den Tagen der Abwrackprämie im Jahre 2009 wurden die Ämter geradezu mit Anträgen überflutet: pro Woche gingen knapp 40.000 ein! Insgesamt wurde so 1,7 Millionen Mal die Prämie beantragt, welche bei immerhin 2.500 Euro lag – weitaus weniger als die nun beschlossene Umweltprämie für E-Autos! Doch woran liegt es, dass niemand dieses Geld geschenkt haben möchte? Einen ersten Hinweis gibt das Merkblatt für das Antragsformular. Hier wird unter „Art und Höhe der Förderung“ notiert, dass:

„Die Förderung […] nur dann gewährt [wird], wenn der Automobilhersteller dem Käufer mindestens den gleichen Anteil vom Netto-Listenpreis des Basismodells (BAFA Listenpreis) als Nachlass gewährt. Der Netto-Listenpreis des Basismodells darf 60.000 Euro netto nicht überschreiten“.


Die Prämie wird demnach zwischen dem Bund sowie dem Hersteller aufgeteilt, wobei der Bund sich zudem noch vorbehält, seinen Anteil erst zu leisten, sollte der Hersteller den seinigen nicht leisten wollen. Erschwerend kommen nun noch Kriterien hinzu, die Fahrzeug und Halter zusätzlich erfüllen müssen:

  1. “Das Fahrzeugmodell muss sich auf unserer Liste der förderfähigen Fahrzeuge befinden.
  2. Der Erwerb (Kauf oder Leasing) sowie die Erstzulassung müssen ab dem 18. Mai 2016 erfolgt sein
  3. Das Fahrzeug muss im Inland auf den Antragsteller zugelassen werden (Erstzulassung) und mindestens sechs Monate zugelassen bleiben.“

Entsprechend der Liste der förderfähigen Fahrzeuge, sind dort keine aufgeführt, bei denen der Basispreis über 60.000 Euro liegt. Premium-Hersteller Tesla beispielsweise, der die Entwicklung der Elektroautos sehr vorangetrieben hat und dadurch zu den innovativsten Unternehmen der Welt gehört, ist somit von der Förderung ausgenommen. Dabei ist ein Elektro Auto als Kleinwagen bereits für unter 20.000 Euro in der Basisausstattung zu haben. Der Citroën C-Zero wäre mit der Prämie so schon für 15.900 Euro und der Peugeot iOn für 15.990 Euro zu haben. Beide Elektroautos haben eine Reichweite von 150 km pro Aufladung – bei teureren Modellen wie dem Nissan Leaf (35.000 Euro in der Basisausstattung) sind bis zu 250 km möglich.


Künstliche geschaffene Nachfrage bei Elektroautos?

Das große Problem: fehlender Infrastruktur!

Das sicherlich größte Hindernis, das dem Ziel von einer Million Elektroautos bis 2020 im Weg steht, ist jedoch die bisher noch lückenhafte Infrastruktur fehlender Lademöglichkeiten. Im September 2016 gab es bundesweit 5452 Ladestationen (Quelle: Statista). Demgegenüber stehen allerdings über 15.500 Tankstellen, bei denen das „Aufladen“ eines Diesel oder Benziner nur wenige Minuten in Anspruch nimmt. Bleiben wir bei unseren Beispielmodellen, dem C-Zero und dem iOn, bräuchten diese beim Aufladen über eine handelsübliche Haushaltssteckdose gut 6 Stunden und 30 Minuten, bis sie voll aufgeladen wären. Bekannte und übersichtliche Strecken, wie der tägliche Weg zur Arbeit, sind mit diesen Aufladezeiten und einem gewissen organisatorischen Talent gut zu bewältigen.

Stehen jedoch unbekannte Touren oder sogar ein Urlaub an, wird es schnell problematisch. Nicht das Finden einer Aufladestation ist dann das größte Problem, schließlich gibt es bereits zahlreiche Apps, die beim Auffinden helfen, sondern das vielleicht mehrstündige Aufladen.
Schnellladestationen versprechen, das Elektroauto binnen einer halben Stunde, manche sogar binnen 20 Minuten, aufzuladen. Allerdings ist der Ausbau dieser Stationen noch nicht flächendeckend erfolgt. In der Broschüre „Elektromobilität“, welche durch das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie im Juli 2016 herausgegeben wurde, verspricht Bundesminister Gabriel zu diesem Punkt:


„Der Ausbau von Ladeinfrastruktur wird in Höhe von 300 Mio. Euro (200 Mio. Euro für Schnellladepunkte, 100 Mio. Euro für Normalladepunkte) unterstützt. Bis 2020 sollen deutlich mehr der besonders aufwendigen und damit teuren Schnellladepunkte an den Verkehrsachsen und in den Metropolen verfügbar sein.“

Eine genaue Zahl wird nicht genannt – fraglich ist demnach auch, von wem diese Säulen aufgestellt werden sollten. Die Stromkonzerne wittern große Geschäfte und wer sich einmal mit den verschiedenen Auflade-Tarifen beschäftigt, wird schnell feststellen, dass es mitunter sehr große Unterschiede gibt. Während Kunden bei Eon 2 Euro für eine 33-minütige 22kW-Ladung zahlen, müssen diese bei EnBW für die gleiche Leistung pro Stunde 7,95 Euro bezahlen – das Doppelte! Kommen wir auf unsere Beispiele C-Zero und iOn zurück. Bei einer angegebenen Aufladezeit von 4 Stunden, kommen hier bei schnell sehr stolze Beträge zusammen.



Wie teuer Stromtanken sein kann, hat ZDF Wiso recherchiert