Das Vorhandensein einer Ampel ist immer ein Hinweis darauf, dass du dich an einem Verkehrsknotenpunkt befindest, welcher durch eben diese geregelt werden soll. Aus diesem Grund kann es auch sehr hohe Strafen geben, sofern du dich an das Signal der Ampel nicht hältst und diese bei Rot überquerst. Es gibt allerdings auch Situationen, in denen kannst oder solltest du eine rote Ampel überfahren. Natürlich bedeutet dies immer, dass du eine gewisse Vorsicht walten lassen solltest, da das Licht dir in erster Linie signalisiert, dass du stehenbleiben musst.

1. Sonderfall: Blaulicht und Martinshorn

Blaulicht in Verbindung mit einem Martinshorn signalisiert nach § 38 StVO jedem Autofahrer, dass sofort freie Bahn zu schaffen ist: „(1) Blaues Blinklicht zusammen mit dem Einsatzhorn darf nur verwendet werden, wenn höchste Eile geboten ist, um Menschenleben zu retten oder schwere gesundheitliche Schäden abzuwenden, eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung abzuwenden, flüchtige Personen zu verfolgen oder bedeutende Sachwerte zu erhalten.“

Im normalen Verkehrsfluss ist man dazu angehalten, ganz einfach auszuweichen. Ist dies aktuell nicht möglich (beispielsweise wegen einer Baustelle), so sollte zumindest so weit gefahren werden, bis sich dies gefahrlos verwirklichen lässt. Nähert sich der Rettungswagen allerdings von hinten, während man an einer roten Ampel steht, kann das Ausweichen natürlich problematisch sein.

Einsatzfahrt aus der Sicht der Rettungsfahrzeuge. So sieht das Verkehrschaos von hinten aus.

Grundsätzlich gilt in dieser Situation, dass dem Fahrzeug mit Blaulicht und Martinshorn Platz zu schaffen ist. Dabei ist es auch erlaubt, über die Haltelinie an einer roten Ampel zu fahren. Zu beachten ist dabei natürlich, dass dies langsam und unter Beobachtung des umliegenden Verkehrs geschieht.

Das Einfahren in den Kreuzungsbereich ist nur so weit wie wirklich nötig zu veranlassen. Wirst du bei solch einem Ausweichmanöver von einem Rotblitzer abgelichtet und bekommst eine Bußgeldaufforderung oder Schlimmeres, solltest du dringend darauf verweisen, dass du einem Rettungsfahrzeug Platz geschaffen hast. Das Verfahren wird daraufhin überprüft und dann eingestellt.

2. Sonderfall Grünpfeil

In der Hierarchie der Straßenverkehrszeichen hat das Schild Vorrang über die Lichtanlange. Dem Grünpfeil kommt in dieser Konstellation noch eine ganz besondere Bedeutung zu. Er berechtigt dich nämlich dazu, dass du auch bei einer roten Ampel abbiegen darfst – natürlich nur, nach Einhaltung zweier wichtiger Regeln. Der Grünpfeil entbindet dich nicht davon, dass du an der roten Ampel erst einmal anhalten musst.

Hier sorgt der Grünpfeil dafür, dass der Verkehr rollen kann!

Nachdem dein Wagen gestanden hat, darfst du nun den Abbiegevorgang einleiten. Allerdings hast du dich hier zusätzlich auch noch einmal zu vergewissern, dass kein Fußgänger oder Radfahrer die Straße überqueren möchte und somit jegliche Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer ausgeschlossen ist.

Fakten zum Grünpfeil

  • Der Grünpfeil stammt aus der DDR. Pünktlich zur Wiedervereinigung konnten nicht alle Grünpfeile angebaut werden, sodass eine Sonderregelung in Kraft trat. Nachdem die Bürger auf die geplante Abschaffung Aufmerksam wurden, konnte diese verhindert werden.
  • Mehrere Studien kamen zu dem Ergebnis, dass an Kreuzungen mit Grünpfeilen nicht mehr Unfälle geschehen und diese auch nicht signifikant schlimmer sind.
  • Der erste offizielle Grünpfeil im ehemaligen Westteil Deutschlands wurde in Berlin Reinickendorf enthüllt.

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3. Sonderfall: Defekte Ampel

Natürlich kann auch eine Ampel mal kaputt sein. In der Regel wird dies durch das rhythmische Aufleuchten des mittleren, also gelben Lichtes deutlich. Dies ist eine Sicherungsschaltung, welche verhindert, dass das Signal nicht für alle Richtungen auf Grün oder Rot stehenbleibt. Grundsätzlich hast du dich nachfolgend an die Beschilderung der Kreuzung zu halten.

Grundsätzlich kann es auch vorkommen, dass eine Ampelschaltung bei Rot einfach „steckenbleibt“. Je nach Kreuzungslage und Verkehrsaufkommen solltest du dann als Autofahrer besonnen reagieren und nicht bereits nach drei Minuten Rotphase selbständig einen Defekt annehmen. Verkehrsexperten und nicht zuletzt das Oberlandesgericht Hamm haben hierfür grundsätzlich Regeln erarbeitet, an welchen du dich orientieren solltest. So sieht das Gericht es nicht als einen Beweis für einen Defekt an, wenn du drei Minuten an der roten Ampel stehst und augenscheinlich keine Schaltung evoziert wird. Zur Sicherheit solltest du mindestens fünf Minuten warten, bevor du den Verdacht auf einen Defekt in dir aufkommen lässt.

In erster Linie solltest du während der Wartezeit auf den fließenden Verkehr achten, um eventuell verpasste Grünphasen für „deine“ Ampel zu erkennen. Achte dabei auch auf Straßenbahnen oder Busse, deren Vorbeifahrt eine Schaltungsänderung verursachen. Treffen diese Hinweise nicht zu und du bist überzeugt, dass die Ampel nicht ordnungsgemäß funktioniert, kannst du dich langsam in den Kreuzungsbereich vortasten. Habe dabei immer im Hinterkopf, dass bei einem Unfall an dieser Stelle du die volle Schuld trägst!

Liegt tatsächlich ein Schaden an der Ampel vor, brauchst du in der Regel nicht mit einem Bußgeld zu rechnen.

4. Sonderfall: Polizist regelt den Verkehr

Kommst du an einer roten Ampel zum Stehen und wirst durch einen Polizisten mit Handzeichen dazu angewiesen, weiterzufahren, ist dem Folge zu leisten. Gemäß § 36 der Straßenverkehrs-Ordnung: „(1) Die Zeichen und Weisungen der Polizeibeamten sind zu befolgen. Sie gehen allen anderen Anordnungen und sonstigen Regeln vor, entbinden den Verkehrsteilnehmer jedoch nicht von seiner Sorgfaltspflicht“.

Verfahrene Situation: Ohne die Hilfe der Polizei hätte sich dieses Verkehrs-Chaos nicht so schnell erledigt.