Erinnerst du dich noch daran, was eine „Rettungsgasse“ ist? Es ist ein zwingender Teil der Ausbildung während der Fahrschule – trotzdem haben zwei von drei Autofahrern vergessen, was das eigentlich ist. Die Konsequenzen daraus sind nicht nur für Rettungskräfte ärgerlich, sondern schlimmstenfalls tödlich für die Verunfallten. Die wichtige Hilfe kommt oft viel zu spät an!

Woran hakt die Rettungsgasse?

Natürlich ist ein Stau ärgerlich und niemand steht gern mittendrin. Allerdings kann der Grund des Staus ein schwerer Unfall sein. Betroffene brauchen in diesen Fällen schnelle Hilfe – und die kommt oft einfach nur viel zu spät!

Die Rettungsgasse soll es Feuerwehr, Polizei und Rettungswagen ermöglichen, eine Unfallstelle schnell erreichen zu können. Doch ist es selten böse Absicht, die Autofahrer dazu bringt, sich mitten in den Weg zu stellen. Kaum ist das Martinshorn zu hören oder das Blaulicht zu sehen, sind viele Autofahrer schlichtweg überfordert. Lenkt dann jeder in eine andere Richtung, sind am Ende alle verwirrt und es geht gar nichts mehr.

Eine Umfrage fördert es an den Tag: nur jeder dritte Autofahrer weiß, was eine Rettungsgasse ist und wie diese gebildet wird. Man stelle sich das bildlich vor. Mitten im Stau einer dreispurigen Autobahn weiß nur jeder dritte Fahrer, wie er sich verhalten muss.

Rettungsgasse bilden: So geht es richtig

Schon wenn du merkst, dass der Verkehr zäh wird, solltest du bereits Vorkehrungen für die Rettungsgasse bilden. Das bedeutet, dass in der Mitte der Autobahn schlichtweg eine Gasse für die Rettungskräfte gebildet wird. Bei den drei Typen von Autobahnen, die es in Deutschland gibt, gelten folgende Verhaltensregeln:

  • Zweispurig: Gasse in der Mitte
  • Dreispurig: Gasse zwischen linker und mittlerer Spur
  • Vierspurig: Gasse zwischen linker und den drei rechten Spuren

Rettungsgasse: anschaulich erklärt

Welches Bußgeld droht bei Nichteinhaltung?

In der Straßenverkehrsordnung ist in § 38 Absatz 1 definiert:

Blaues Blinklicht zusammen mit dem Einsatzhorn darf nur verwendet werden, wenn höchste Eile geboten ist, um Menschenleben zu retten oder schwere gesundheitliche Schäden abzuwenden, eine Gefahr für die öffentliche Sicherheit oder Ordnung abzuwenden, flüchtige Personen zu verfolgen oder bedeutende Sachwerte zu erhalten. Es ordnet an: „Alle übrigen Verkehrsteilnehmer haben sofort freie Bahn zu schaffen“.


Bei Nichteinhaltung der Rettungsgasse kann ein Bußgeld von 20 Euro verhängt werden. In diesem Zusammenhang darfst du auf der rechten Spur auch den Standstreifen benutzen – bis zur Hälfte deines Fahrzeuges. Für manche Autofahrer ist es verlockend, dem Rettungsfahrzeug einfach hinterherzufahren, um schneller voranzukommen. Dies ist jedoch ausdrücklich nicht erlaubt. Weitere Rettungsfahrzeuge könnten folgen, denen dadurch die Fahrt erschwert werden kann.

Verkehrsminister Dobrindt plant nun eine Verschärfung der derzeitigen Regelung. Überarbeitet wird in diesem Punkt vor allem die Definition der Fahrgeschwindigkeit:

Geplanter Wortlaut des BMVI:
Sobald Fahrzeuge auf Autobahnen sowie auf Außerortsstraßen mit mindestens zwei Fahrstreifen für eine Richtung mit Schrittgeschwindigkeit fahren oder sich die Fahrzeuge im Stillstand befinden, müssen diese Fahrzeuge für die Durchfahrt von Polizei- und Hilfsfahrzeugen zwischen dem äußersten linken und dem unmittelbar rechts daneben liegenden Fahrsteifen für eine Richtung eine freie Gasse bilden. (Stand: November 2016)

Diese Änderung bedarf lediglich noch der Zustimmung des Bundesrates.


Wie sieht ein Stau aus Sicht der Retter aus?

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