Natürlich haben wir alle in der Fahrschule gelernt, wie sich der Bremsweg berechnet. Auch haben wir gelernt, dass es in Gefahrensituationen unmöglich ist, diese Formeln tatsächlich anzuwenden. Als Faustformel für den sicheren Abstand zum vorderen Fahrzeug gilt der halbe Tachostand in Metern, doch ist diese Angabe spätestens auf der Autobahn mehr als schwammig.

Wie setzt sich der Anhalteweg zusammen?

Zwischen dem Erkennen eines Hindernisses und dem tatsächlichen Stillstand des Autos vergehen mehrere Sekunden. Gefühlt ist dies manchmal eine Ewigkeit. Diese Strecke, die du währenddessen zurücklegst, ist der Anhalteweg. Er beinhaltet die Zeit, die du brauchst, um das Hindernis zu erkennen über eine Reaktion bis hin zum letztendlichen Stillstand des Wagens.

Wie weit ist der Reaktionsweg?

Gerade bei älteren Autofahrern lästern böse Zungen, dass diese häufiger Unfälle haben, da deren Reaktionsweg viel zu lang sei. Nicht umsonst gehört es auch zu einer Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU), das Reaktionsvermögen des Fahrers zu testen.
In der Tat nimmt das Reaktionsvermögen im Alter ab. Dies liegt an dem Botenstoff GABA (Gamma-Amino-Buttersäure), welcher dafür verantwortlich ist, dass nur geforderte Regionen im Hirn auf einen Impuls reagieren. Im Laufe der Zeit geht dieser Nerven-Botenstoff verloren und die Zellen antworten wahlloser auf die Reize. Deswegen sollten Autofahrer mit zunehmendem Alter regelmäßig ihre Reaktionsfähigkeit testen lassen.

gas-pedal-397481.jpgBis der Fuß tatsächlich umgesetzt wird, braucht es eine gewisse Verarbeitungszeit.

Im Durchschnitt vergeht zwischen dem Wahrnehmen des Hindernisses und der tatsächlichen Reaktion darauf 0,8 Sekunden. Je nachdem, wie schnell du unterwegs bist, kommt allein da schon eine ziemliche Strecke zusammen:

Bei einer Geschwindigkeit von 30 km/h bedeutet das einen Reaktionsweg von 9 Metern.

  • 50 km/h: 15 Meter
  • 80 km/h: 24 Meter
  • 100 km/h: 30 Meter
  • 120 km/h: 36 Meter
  • 160 km/h: 48 Meter

reaktionsweg-blauwal.jpgBei einer Geschwindigkeit von 100 Kilometern pro Stunde brauchst du die Länge eines großen Blauwals, ehe dein Körper auf diese Wahrnehmung reagiert.

Unterschätzter Faktor: Bremsansprechzeit

Auch deine Bremsen benötigen einen Augenblick, ehe sie richtig ansprechen können und ihre maximale Bremswirkung entfalten. Bei einer Druckluftbremsanlage dauert dies zwischen 0,2 und 0,6 Sekunden. Eine hydraulische Bremsanlage benötigt hier nur 0,1 bis 0,2 Sekunden. Abhängig sind diese Werte natürlich davon, wie gut deine Bremsen im Schuss sind. Zusammen mit der Reaktionszeit bildet dieser Wert die gesamte Zeit ab, die es dauert, bis dein Auto tatsächlich mechanisch einen Bremsvorgang vornimmt.

Ein wesentlicher Einflussfaktor, um die Reaktionszeit und auch die Bremsansprechzeit so kurz wie möglich zu halten liegt darin, ohne Alkohol, Drogen oder Medikamente zu fahren. Diese können den zurückgelegten Weg direkt auf das Hindernis zu beträchtlich verlängern.

bremsen-wartung.jpgWesentlich für die Sicherheit: Arbeiten die Bremsen noch zuverlässig?

Vollbremszeit: wenn die Mechanik arbeitet

Du siehst: Bis die Bremsen endlich wirklich arbeiten können, vergeht eine Menge Zeit und leider auch Strecke. Den Bremsweg zu berechnen ist daher immer von vielen Faktoren abhängig. Doch auch, wenn die Bremse endlich anspricht, ist noch kein kompletter Stillstand gegeben. Zwar stehen die Räder annähernd still, jedoch ist durch die bisherige Geschwindigkeit der Schwung noch vorhanden, um das Auto noch weiter vorwärtszuschieben.

Im Zusammenspiel dieser Faktoren kann nun ein schlussendlicher Bremsweg errechnet werden. Natürlich ist keine Situation und kein Fahrer wie jeder andere. Beachte deswegen, dass diese Werte Durchschnittswerte darstellen, die von vielerlei Faktoren abhängen!

So viel Strecke vergeht tatsächlich beim Bremsvorgang:

  • 50 km/h: 25 Meter
  • 80 km/h: 64 Meter
  • 100 km/h: 100 Meter
  • 120 km/h: 144 Meter
  • 160 km/h: 256 Meter

Weitere Einflussfaktoren auf die Bremsung

Ist die Straße trocken, nass oder vielleicht sogar vereist? Je nachdem, wie die Beschaffenheit der Strecke ist, beeinflusst diese den Bremsweg teilweise massiv. So kann sich der Anhalteweg auf nasser Fahrbahn um mehrere Meter verlängern, auf Schnee sogar fast verdoppeln! Beim Berechnen des Bremsweges muss der Straßenzustand deswegen auf jeden Fall mit einbezogen werden.

Wie schon angesprochen, ist einer der größten Einflussfaktoren die Konstitution des Fahrers. Sind Medikamente, Drogen oder Alkohol mit von der Partie, kann das Reaktionsvermögen derart beschränkt sein, dass selbst bei vorhersehbaren Hindernissen wie einer Kurve massive Einschränkungen einen Unfall hervorrufen können. Aus diesem Grund sei auch an dieser Stelle nochmals an die Besonnenheit und den Verstand eines jeden Autofahrers appeliert.

Bremswege im Vergleich: Welches Fahrzeug bremst am besten?