Auf Initiative der Europäischen Kommission wird ab März 2018 jedes Kraftfahrzeug mit dem sogenannten eCall-System (emergency call) ausgerüstet. Bei Unfällen werden somit automatisch die Rettungskräfte alarmiert und die Hilfe so schneller eingeleitet. Die Vorteile liegen auf der Hand, über die möglichen Nachteile wurde lange und ausgiebig diskutiert.

Aufgaben des eCall

Das eCall-System ist ein automatisches Notrufsystem, welches ab 2018 verbindlich in alle Neuwagen eingebaut werden muss. Das System sollte bereits im November 2015 eingeführt werden, doch energische Proteste haben die Einführung entschieden verzögert. Aller datenschutzrechtlicher Bedenken zum Trotz befürwortete das EU-Parlament den verpflichtenden Einbau in alle neuen Pkw-Modelle ab dem 31. März 2018. Registriert das System über die Crash-Sensoren einen Unfall, löst es bei der Euronotrufnummer 112 automatisch einen Notruf aus. Der Assistent fordert so eigenständig für die Insassen Hilfe an, was wertvolle Zeit spart und im Ernstfall Leben retten kann. Durch diese schnellen Einsatzmöglichkeiten sollen, nach Schätzungen von Experten, mehr als 10 Prozent der jährlichen Unfalltote, das entspricht EU-weit 2500 Personen, verhindert werden können. Gerade in abgelegenen oder schwach besiedelten Gebieten bedeutet der eCall somit eine sinnvolle Ergänzung für Autofahrer.

Wie funktioniert das System eCall?

Das System eCall wird in Neuwagen fest mit dem Kfz verbaut und überwacht es quasi über die anfallenden Fahrzeugdaten. Wird nun über die Sensoren ein Unfall registriert, bei dem potentiell die Airbags ausgelöst werden würden, wird durch den eCall ein automatischer Notruf abgesetzt. Dieser geht in Echtzeit in einer Notrufzentrale ein, welche diesen verarbeitet. Durch Mikrophon und Lautsprecher, welche im eCall System ebenfalls integriert sind, kann die Rettungsleitstelle nun mit den Personen im Fahrzeug kommunizieren. So können weitere Details des Unfalls oder gegebenenfalls Verletzungen schneller diagnostiziert werden. Dies macht das System enorm effizient, da sich die Einsatzkräfte bereits vor der Ankunft am Unfallort ein umfassendes Bild machen können.

Neben dieser automatischen Notruffunktion verfügt das System über die Möglichkeit, manuell Hilfe anzufordern. Über einen entsprechenden Notrufknopf werden dabei die Fahrzeugdaten übermittelt und sofort eine Sprachverbindung in die Zentrale aufgebaut. Liegt ein plötzlicher medizinischer Notfall bei Fahrer oder einem der Insassen vor, kann auf diesem Wege schnellstmöglich Hilfe angefordert werden.

Kann man den eCall nachrüsten?

Will man einen eCall nachrüsten, so müssen all dessen Elemente nicht nur separat verbaut, sondern auch die entsprechenden Kabelkanäle gezogen werden. Zusätzlich muss eine SIM-Karte angeschafft werden, welche erst die Abgabe des Notrufs ermöglicht. Den eCall nachzurüsten kann also zu einem recht teuren Unterfangen werden.

Viele Anbieter sind bereits in der Lage, die verschiedenen Funktionen eines eCall-Systems auf kleinstem Raum zu imitieren. So lassen sich beispielsweise über das Smartphone oder über Sensoren für den 12V-Stromanschluss effektive Systeme betreiben. Das Nachrüsten eines eCall Systems wird so deutlich einfacher und vor allem günstiger. Wer den eCall nachrüsten möchte, sollte dementsprechend auf ein solches System zurückgreifen.
Schneller und günstiger lässt sich ein eCall über PACE nachrüsten. Der mitgelieferte PACE Link registriert über die Fahrzeugdaten einen Unfall und sorgt umgehend für entsprechende Maßnahmen. Einfacher lässt sich der eCall kaum nachrüsten.

Welche Bedenken gibt es beim eCall?

Autofahrer können entscheiden, ob bei einem Unfall nur der dringend benötigte Minimaldatensatz oder auch weitere Informationen übertragen werden sollen. Der Minimalsatz an Daten umfasst dabei:


  • Unfallzeitpunkt

  • Koordinaten des Unfallortes

  • Fahrtrichtung (wichtige Information für Unfälle u.a. auf Autobahnen)

  • Service Provider-ID

  • Fahrzeug-ID

  • eCall-Qualifier (Wurde der Notruf automatisch oder vom Insassen ausgelöst?).


Weitere Daten des Bord-Sicherheitssystems könnten darüber hinaus auch über die Schwere des Unfalls Aufschluss bieten. So stellen Angaben über die Anzahl der Insassen oder den Umfang der Beschädigungen am Fahrzeug wichtige Informationen für Rettungskräfte dar. Hilfe kann so schneller und gezielter geleistet werden.

Datenschützer sind noch immer nicht mit dem eCall einverstanden. Denn das System bietet ein enormes Potential, welches von vielen Unternehmen ausgenutzt werden könnte. Schließlich sammelt der eCall die GPS- und Sensoren-Daten nicht nur bei einem Unfall, sondern ist als schlafendes System immer einsatzbereit. Während die offiziellen Einsatzbedingungen sehr streng und vor allem umfassend sind, gehen die Möglichkeiten beim eCall doch weit über die Basisnutzung hinaus. So könnte das System genutzt werden, um beispielsweise durchgängige Bewegungsprofile zu erstellen und diese in der Wirtschaft zu nutzen.
Hier kann es also zu Konflikten mit der informellen Selbstbestimmung kommen, wenn diese Daten genutzt werden sollten. Eine in ganz Europa funktionierende Überwachungsstruktur könnte mit dem eCall problemlos geschaffen werden.

Welche Unternehmen könnten profitieren?

Doch welche Unternehmen könnten von einem solchen System profitieren? Die Frage lässt sich nicht unbedingt einfach beantworten. Denn die Daten, die über einen Menschen gesammelt werden können, dienen in vielen Bereichen zur Verbesserung der Angebote und für eine individuelle Werbung. Gehen wir von Max Mustermann aus, welcher mittels des eCall-Systems überwacht wird. Seine täglichen Wege werden vom System aufgezeichnet: Arbeitsweg, Freizeitgestaltung und auch, wo er einkaufen geht. Zielgerichtet könnte ihm so personalisierte Werbung von bestimmten Supermarktketten aufgedrängt werden. Oder noch trivialer: wenn eine Versicherung ihren Kunden anbietet, dass diese einen günstigeren Tarif erhalten können, wenn sie die Daten vom eCall-System freigeben, so klingt dies zunächst gut. Doch die Versicherung kann nicht nur überprüfen, wie es zu Unfällen gekommen ist, sondern auch den Fahrstil des Fahrers überwachen. Wer zu aggressiv und zu schnell fährt, oft stark bremst oder ähnlich auffällig agiert, könnte wie zufällig in einen teureren Tarif rutschen. Kein schöner Gedanke, wenn man sich vorstellt, wie gläsern man durch solche Möglichkeiten wird.
Dennoch ist der eCall ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Es muss nur mit aller Vehemenz darauf geachtet werden, dass die Daten einzig und allein zu Rettungszwecken verwendet werden dürfen. Hier fordern vor allem große Autoverbände eine offene und für den Fahrer zugängliche Schnittstelle, sodass der Nutzer die Daten, welche vom eCall-System übermittelt werden, problemlos kontrollieren kann. Auch hieran sollte man denken, wenn man einen eCall nachrüsten möchte.

Die Vorteile des eCall-Systems im Überblick

Ob man einen eCall nachrüsten möchte oder das System mit einem neuen Fahrzeug ab 2018 automatisch übernimmt: Der eCall bietet viele Vorteile für den Nutzer. Zum einen wird automatisch und innerhalb von Sekunden nach einem Unfall die zuständige Rettungsstelle informiert. Dank der übermittelten Daten des Unfalls können die Rettungskräfte nicht nur schneller den Unfallort erreichen, sondern auch gegebenenfalls direkt die passende Ausrüstung mitbringen. Die automatisch mitgelieferten Fahrzeugkarten bieten den Rettungskräften bereits einen genauen Überblick über das Fahrzeug und die einzelnen Verbindungen, sodass bei einem eingeklemmten Passagier oder Fahrer die Arbeit schneller erledigt werden kann. Darüber hinaus sorgt der direkte Kontakt zur Rettungsstelle per Mikrophon für weitere Vorteile. So können Verletzungen bereits direkt nach dem Unfall aufgenommen werden. Die Entscheidung für oder wider einen Notarzt- oder Rettungshubschrauber-Einsatz können somit schneller und auf einer besseren Datenbasis getroffen werden. Insgesamt wird es sich für jeden lohnen, einen eCall nachrüsten zu lassen, der Wert auf eine schnelle und kompetente Hilfe bei einem Unfall legt. Durch das neue eCall-System steigt die Wahrscheinlichkeit einer schnellen Behandlung nach einem Unfall in jedem Fall stark an.

Fun-Fact zum eCall:

Im Jahr 2007 wurde durch einen Prototyp des eCall-Systems ein falscher Alarm ausgelöst. Die Prüfer einer Crash-Anlage des TÜV hatten das System nicht deaktiviert und einen Crashtest vorgenommen. Innerhalb kürzester Zeit standen Feuerwehr und Sanitäter am Crash-Gelände und wollten das Unfallfahrzeug bergen und die Insassen medizinisch versorgen. Auch wenn es ein Fehlalarm war, so zeigt dieses Ergebnis doch eindeutig, wie gut der eCall funktioniert und warum es durchaus sinnvoll sein kann, einen eCall nachzurüsten.