Bis zu fünf Mal am Tag korrigieren die Tankstellen ihre Preise und verunsichern Autofahrer damit bundesweit. Scheinbar fest im Terminkalender verankert ziehen diese dann zu Feiertagen oder zur Ferienzeit dann noch einmal ordentlich an. Alles nur bloßer Zufall? Auch, wenn die Konzerne sich bedeckt halten, lässt sich tatsächlich ein Muster bei den Preisen erkennen.

Billig tanken nur am Montag?

Es hält sich bis heute immer noch das Gerücht, dass besonders an Montagen das Tanken günstig wäre. Sicher mag das basierend auf Erfahrungswerten und Erhebungen auch mal gestimmt haben. Allerdings muss diesem Mythos heute eine klare Absage erteilt werden. In Zeiten der zunehmenden Vernetzung haben nun auch Tankstellen vermehrt die Möglichkeit, ihren direkten sowie indirekten Nachbarn auf die Preistafel zu schielen und die eigenen Preise entsprechend anzupassen. Sobald die Konkurrenz korrigiert, ziehen die anderen nach – bis zu fünf Mal an nur einem Tag!

Es gibt keinen speziellen Wochentag, an dem sich das Tanken besonders auszahlen würde. Behalte jedoch im Hinterkopf, dass du das Auffüllen des Kraftstoffs nicht auf einen Montagnachmittag legen solltest - eher aber auf einen Sonntagnachmittag. Der Grund dafür ist ziemlich banal; die Abteilungen für Preisfestlegung der Ölkonzerne sind am Wochenende schlichtweg nur mit einem Notdienst besetzt. Die Tankstelle deines Vertrauens ist demnach auf ihr eigenes Urteil angewiesen und muss versuchen, Kunden anzulocken. Dem entsprechend werden die Preise festgefroren oder fallen. Den Statistiken zu Folge ist auch Donnerstag als halbwegs günstiger Tank-Tag ausgelobt. Die Preiserhöhungen vom Montag wären bis dahin weitgehend abgebaut.

Apps, Rabatte und Tankstellenclubs

Eine Vielzahl von Tank-Apps und angeblich smarten Tank-Clubs sprießen derzeit scheinbar überall aus dem Boden. Sie alle versprechen saftige Rabatte auf jede Tankfüllung – ja sogar auf jeden einzelnen Liter. Zwei Cent Ersparnis bei einem Literpreis von durchschnittlich 1,33 Euro für Super (37. KW in 2016) klingen da natürlich sehr verlockend!
Schnell stellt sich jedoch die Frage, wie die Unternehmen diese Ersparnis gegenfinanzieren. Ausgehend von einem Literpreis von 1,40 Euro, gehen allein 88 Cent direkt durch Steuern an den Staat. Übrig bleiben 52 Cent – die jedoch immer noch keinen Gewinn für den Pächter darstellen! Schließlich muss das Produkt auf dem Markt für 40 Cent erworben werden und die Raffinerie bekommt für die Verarbeitung auch noch 4 Cent pro Liter ab. Es bleiben rein rechnerisch also 8 Cent pro Liter Benzin für die Tankstelle übrig . Von diesem Umsatz müssen natürlich sämtliche laufenden Kosten finanziert werden. Personal, Verwaltung, Transport und auch Vertrieb müssen davon bezahlt und Investitionen getätigt werden. Durchschnittlich bleiben also pro Liter Benzin 1 bis 3 Cent für den Pächter als Provision übrig . Und von diesem Cent, der den Gewinn der Tankstelle ausmacht, erhältst du nun also zwei Cent Rabatt.

Rechenbeispiel: 1 Liter Benzin = 1,40 Euro

  • 88 Cent: Steuern

  • 40 Cent: Marktpreis für Rohöl

  • 4 Cent: Raffinerie

  • 7 Cent: Betriebskosten Tankstelle

  • 1 Cent: Gewinn der Tankstelle

Möglich ist das scheinbar günstige Tanken ganz einfach dadurch, dass die Haupteinnahmequelle der meisten Tankstellen mittlerweile die Shops darstellen. Wenn du also das nächste Mal für 20 Liter tankst und dir dazu noch einen Kaffee für drei Euro kaufst, liegt der Hauptgewinn für den Pächter in dem Becher schwarzen Goldes, den du dir gerade gönnst. Es ist also für die Tankstelle unglaublich wichtig, dass du nicht einfach nur tanken kommst, sondern noch so viel wie möglich mit einkaufst - seien es Zeitschriften, gekühlte Getränke oder ein französisches Frühstück im eigenen Bistro.

Auf dieser Strategie beruht nämlich auch der Sinn von Bonuskarten. Nachdem du eine Sammel- oder Clubkarte der Tankstellenkette deines Vertrauens erworben hast, fühlst du dich verpflichtet, nach den Regeln des Jäger- und Sammlerdaseins, diese auch zu nutzen. Mit deinen Daten bezahlst für deinen Markenkraftstoff mit 2 Cent Rabatt pro Liter, obwohl die No-Name-Tankstelle eine Straße weiter das gleiche Benzin für 5 Cent pro Liter weniger anbietet. Hier bleibt für dich nur abzuwägen; möchtest du das fluffige Gefühl, das dir dein 2-Cent-Pseudo-Rabatt liefert oder doch lieber die beruhigende Gewissheit, dass du wirklich günstig getankt hast?

Morgens, abends oder nachts?

Die Statistiken zeigen eindeutig, dass Donnerstag und Sonntag die optimalen Tage zum Tanken darstellen. In Ihrer ersten Zwischenbilanz ermittelte die Markttransparenzstelle für Kraftstoffe (MTS-K), dass auch tagsüber ein Muster im Preisverlauf zu erkennen ist. Demnach ist es nachts tatsächlich am teuersten, die Zapfsäule zu nutzen. Ab acht Uhr morgens fällt der Preis stetig – bis 20 Uhr abends!

Den Beobachtungen von Finanztip zu Folge, sind Aral und Shell die ersten, die den Preis ab 20 Uhr wieder anziehen. Eine Stunde später folgen Esso und Total und erst ab 23 Uhr setzt auch Jet den Preis wieder hoch. Durchschnittlich beträgt die Differenz zwischen 20 und Null Uhr sieben Cent pro Liter. Tankst du dein Auto mit 50 Litern ein Mal voll, bedeutet das beim abendlichen Tanken eine Ersparnis von 3,50 Euro!