Jedes Mal, wenn du den Motor anlässt, entfesselt sich die Datenflut in deinem Auto von Neuem. Ein modernes Auto verfügt über gut 50 Sensoren, welche ständig Berichte über den Wagenzustand abliefern – von dieser Gesprächigkeit bekommst du als Autofahrer aber zumeist nichts mit.

Eigentlich schade, denn für jeden Autofahrer böte diese Geschwätzigkeit seiner Fahrzeugsysteme ein hervorragendes Mittel, um besser über den aktuellen Zustand seines Autos Bescheid zu wissen. Tritt wirklich einmal ein Fehler auf, wird dies nur über ein kleines Lämpchen im Cockpit kundgetan. Was genau die Ursache ist, das muss jedoch dann der Fachmann herausfinden.

TUeV_Rheinland-Studie_zu_Attraktivitaet_von_Telematik-Diensten_Grafik_09_2016__ZoomImagelarge.jpg Quelle: TÜV Rheinland Kraftfahrt GmbH

Neben Fehlern im Fahrzeug werden auch Daten zu deinem Fahrverhalten registriert. Beispielsweise, wie schnell du fährst und wie oft du stark abbremsen musst. Genau für solche Daten interessieren sich nun auch zunehmend die Versicherungen. Anhand dieser Daten im Zusammenhang mit deiner geleisteten Fahrstrecken, lässt sich nämlich dein individuelles Risiko für Unfälle ermitteln. Genau dort setzen nun neue Telematik-Versicherungen an.

Wie funktioniert die Aufzeichnung?

Aktuell stellen die Versicherer zwei verschiedene Systeme für die Datenerfassung und Weiterleitung zur Verfügung. Zum einen kannst du dich für eine flexible Lösung via App oder aber den Festeinbau einer Blackbox direkt im Auto entscheiden.

App & Adapter:
Der Versicherer stellt dir eine App sowie einen Adapter zur Verfügung. Der Adapter wird über den Zigarettenanzünder mit deinem Auto und zudem noch mit deinem Smartphone verbunden. Die Daten werden nun über deinen Mobilfunkanbieter automatisch versendet. Dies geschieht zumeist über einen Dienstleister, welcher für die Versicherung arbeitet und deine Daten für diesen aufarbeitet.

OBD2-Dongle:
Das Auslesen der Fahrzeugdaten via OBD2 ist eine recht genaue Möglichkeit, um an die Daten im Fahrzeug heranzukommen. Auch hier ist wieder eine App vonnöten, welche die Daten aufnimmt, verarbeitet und an einen definierten Adressaten weiterleitet.

Telematik-Box:
Bei dieser Variante wird eine Box im Inneren deines Wagens verbaut. Diese Box enthält eine eigene SIM-Karte und kann so autark arbeiten. Die Box greift während der Fahrt auf relevante Steuerelemente zu und leitet die ausgelesenen Daten an einen Empfänger weiter.

Eine App-Lösung bedeutet für dich zuerst einmal einen geringen Aufwand, da du den Adapter und auch den Dongle ganz einfach selbst am Fahrzeug anbringen kannst. Die Blackbox hingegen muss direkt mit den Fahrzeugsystemen interagieren und deswegen von einem Profi eingebaut werden.

„Mit der neuen Technik fragen wir den Kunden nicht mehr ‚Wer bist du?‘ sondern ‚Wie fährst du?‘“

- Per-Johan Horgby, Vorstand der VHV


Wer bietet eine Telematik-Versicherung an?

Mittlerweile sind alle großen Versicherer auf diesen Zug aufgesprungen und bieten dir dieses individuelle Versicherungspaket. Obwohl dieses Angebot erst seit relativ kurzer Zeit verfügbar ist, findest du dich schnell in einem wahren Dschungel aus Angeboten wieder. So richten sich manche Angebote ausschließlich an bestimmte Altersgruppen, vor allem auf junge Fahrer unter 30. Unterschiedlich sind auch die Daten, welche für die Berechnung des individuellen Scores herangezogen werden.

Aktuell bieten diese Versicherungen Telematik-Tarife an:

  • Aachenmünchener (via App; für alle Altersgruppen offen)
  • Admiral Direkt (App und Box; für alle unter Schadensfreiheitsklasse 4)
  • Allianz (App und Box; nur für unter 28-jährige)
  • Axa (App; für unter 25-jährige)
  • Cosmosdirekt (App; für unter 28-jährige)
  • Generali (App, für alle Altersgruppen offen)
  • HDI (App und Box, für alle Altersgruppen offen)
  • Huk24 (App und Box; für unter 25-jährige)
  • Huk-Coburg (App und Box; für unter 25-jährige)
  • Signal Iduna (App und Dongle; für unter 30-jährige)
  • VHV (App und Adapter; monatliche Gebühr von 6,99 €; für alle Altersgruppen offen)

Informiere dich zudem bei jedem Anbieter genau, welche Daten für die Berechnung tatsächlich mit einbezogen werden. So kann es beispielsweise sein, dass unter der Einbeziehung des Stichwortes Tempo auch gemeint sein kann, dass deine Geschwindigkeit mit der zugelassenen Höchstgeschwindigkeit abgeglichen wird. Übersiehst du also beispielsweise auf der Landstraße, dass statt 80 nur noch 70 km/h gefahren werden dürfen, schlägt sich dies sofort auf deinen Score nieder.

Sind die Ersparnisse den Aufwand wert?

Mit dem Abschluss einer Telematik-Versicherung gibst du einen Teil sehr sensibler Daten für deinen Dienstleister preis. Natürlich motiviert solch eine Versicherung einen Autofahrer dazu, um- und vorsichtig zu fahren, allerdings ist niemand davor gefeit, dass die Vorfahrt genommen wird und stark gebremst werden muss. Ist nichts passiert, ist das natürlich gut. Für deinen Score bedeutet dies allerdings trotzdem eine Verschlechterung.

Die Versicherer versprechen Rabatte auf einen guten Score. Die Sparkassen DirektVersicherung kürt sogar monatlich den besten Fahrer, welcher dann ein Quartal lang kostenlosen Versicherungsschutz genießt (Das Telematik-Angebot befindet sich momentan in der Testphase). Momentan profitiert der Einzelne noch nicht richtig, denn die realen Erfahrungswerte und darauf basierende Berechnungen seitens der Versicherungen sind noch gering.

Telematik-Dienst im Test

Aktuell raten Experten, dass vor dem Wechsel zu einer Telematik-Versicherung noch einmal geprüft werden sollte, ob nicht allein der Wechsel zu einem anderen Versicherer schon weitere Ersparnisse bedeuten würde. Zwar ist man weiterhin ein anonymisierter Fahrer und nur einer unter vielen, aber dafür entfällt das beklemmende Gefühl, stets das eigene Verhalten rechtfertigen zu müssen.

Es ist natürlich für jeden Fahrer schwer einzuschätzen, wie gut und verkehrssicher man selbst fährt. Da dies als die Basis für den eigenen guten Score dient, sollte idealerweise bereits vorab geprüft werden, ob der eigene Fahrstil solch einer Versicherung zuträglich ist. PACE kann dir an dieser Stelle wertvolle Hilfe leisten. Das System analysiert die Daten aus deinem Auto und gibt dir ein reales Echtzeit-Feedback zu deiner Fahrweise. Insgesamt bietet PACE dir neun coole Features, welche dir helfen, das Autofahren stressfreier und sicherer zu machen.