Nach dem Dieselskandal und den drohenden Fahrverboten bangen momentan viele Autofahrer um ihre Fahrzeuge. Aber hat der Diesel wirklich ausgesorgt? Der Autozulieferer Bosch setzt weiter darauf und stellte jüngst eine neue Technologie vor, mit der Stickoxid-Emission stark gesenkt werden können.

Laut einer Studie des TÜV-Verbands würden sich nur noch 6 % der Deutschen beim Kauf eines Neuwagens für einen Diesel entscheiden. Dies sollte niemanden mehr überraschen: Nach dem großen Diesel- und Abgasskandal will niemand mehr auf ein lahmes Pferd setzen – oder doch?

Bosch präsentierte vor kurzem eine neue Technologie, mit der der Ausstoß von Sickstoffoxiden (NOx) schon heute so signifikant reduziert werden kann, dass bereits die Grenzwerte von 2020 unterschritten werden.

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Wie funktioniert diese neue Entwicklung?

Es handelt sich hierbei um keine vollkommen neu entwickelte Technologie, sondern Bosch hat die bereits vorhandene nur verfeinert und arbeitet mit Komponenten, die auf dem Markt erhältlich sind. Es sei „eine Kombination aus ausgeklügelter Einspritztechnik, neu entwickeltem Luftsystem und intelligentem Temperaturmanagement“, so Andreas Kufferath, verantwortlich für die Diesel-Systementwicklung bei Bosch.

Zwei Faktoren beeinflussen die Höhe der Emissionen: Zum einen der Fahrer und zum anderen die Temperatur. Je schneller der Autofahrer fährt, umso mehr steigen auch die Emissionen. Dank eines rascher ansprechenden Turboladers und eines flexibleren Luftsystems, wird dem hiermit aber entgegengewirkt.

Auch die Temperatur spielt eine wichtige Rolle, denn nur bei Abgasen, die wärmer sind als 200 Grad, kommt es zu einer optimalen Stickstoff-Umwandlung. Dieser Wert wird bei einer normalen Fahrt in der Stadt oft nicht erreicht. Indem aber die Abgastemperatur aktiv gesteuert wird, kann die Temperatur durchgehend stabil und Emissionen niedrig gehalten werden.

Dadurch ist es laut Bosch möglich, immer unter dem vorgeschriebenen Grenzwert zu bleiben: Egal ob du dich im Stop-and-go-Verkehr in der Stadt befindest oder auf der Autobahn – und dies alles auch unabhängig von Wind und Wetter.

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Wie werden diese Werte überprüft?

Durch das Real Driving Emissions-Prüfverfahren (im Deutschen auch „Emissionen im praktischen Fahrbetrieb“ genannt) wird der Schadstoffausstoß bei realen Fahrsituationen überprüft. Es ist seit dem 01.09.2017 gültig, die Vorgaben sind u. a. diese:

  • Gesamtdauer: 90-120 Min.
  • Teststrecken: Jeweils mind. 16 km
    • Stadt: 0 – 60 km/h
    • Landstraße: 60 – 90 km/h
    • Autobahn: 90 – 145 km/h
Bosch hat laut eigenen Angaben bei diesen RDE-Fahrten mit einem VW Golf die jetzigen (168 mg NOx/km) und zukünftigen Grenzwerte von 2020 (120 mg NOx/km) unterschritten: Im Durchschnitt lagen die Werte bei ungefähr 40 mg NOx/km, aber es wurden sogar welche von nur 13 mg NOx/km erreicht.

Ist dein Diesel damit gerettet?

Jein, leider handelt es sich hierbei um keine Nachrüst-Option. Ein großer Nachteil, denn damit ist die Frage, was mit den alten Dieselfahrzeugen nun zu tun sei, noch lange nicht geklärt. Deinen Diesel musst du weiterhin entweder umbauen lassen oder dir einen neuen Wagen zulegen.

Ein Gutes hat es jedoch: Die Fahrzeuge, die mit der neuen Technologie ausgerüstet sind, sollen dadurch nicht teurer werden. Laut Bosch könnte diese Neuerung sofort in die Serienentwicklung eingehen, da alle benötigten Komponenten bereits verfügbar sind. Wahrscheinlich werden die ersten Fahrzeuge mit der neuen, verbesserten Diesel-Technologie in ca. 2 Jahren auf den Straßen unterwegs sein.