Ab wann lässt sich von einem Auto sprechen? Mit der Erfindung des Rades vor viertausend Jahren ist zwar ein wichtiger Grundstein gelegt worden, doch ist damit noch lange kein Auto geschaffen. Nein, das Herzstück eines Autos ist sein Motor. Erst dieses Meisterwerk der Technik ermöglicht es, Kräfte so gezielt aufzubringen, dass das Fortkommen ohne Schieben oder Ziehen möglich ist.

Eine erste umfängliche Definition, was ein Automobil nun ausmacht und auch von anderen Fortbewegungsmitteln wie etwa dem Zug oder Schiff unterscheidet, beschreibt Freiherr Löw in seinem Standard-Werk über das Automobil:

„Das Automobil ist ein Fahrzeug, das

  1. durch Maschinenkraft bewegt wird,
  2. die zu seiner Ortsveränderung dienende Energiequelle in sich trägt,
  3. gewöhnliche Strassenfahrdämme benutzt, und
  4. die zu befördernden Personen oder Güter – wenigstens zum Teil – selbst aufnimmt.“

Löw von und zu Steinfurth, Ludwig: Das Automobil – sein Bau und sein Betrieb, 5. Auflage, 1924.


An diesen beiden ersten Charakteristika, der Fortbewegung über Maschinenkraft und der autarken Energiequelle, haben sich in der Geschichte zahlreiche Erfinder die Zähne ausgebissen. Wie kann man ein Gerät konstruieren, welches von selbst die Kraft aufbringt, sich fortzubewegen? Auf diesem Grundproblem fußten spannende Ideen und bahnbrechende Erfindungen, die sich zwar nicht alle bis heute erhalten konnten, jedoch auch Durchbrüche in anderen Bereichen bewirkten.

Antrieb durch Explosion!

Ein apartes und prägendes Treibmittel, welches insbesondere im 17. Jahrhundert auf dem europäischen Kontinent in Massen produziert wurde, war Schießpulver. In dem Pulver lag große Kraft und es lag nahe, diese auch als Grundstoff für die Fortbewegung zu nutzen. Der niederländische Physiker Christiaan Huygens (1629 – 1695) konstruierte 1673 eine Kolbenmaschine, welche durch das Pulver angetrieben wurde. Das Prinzip der Antriebs-Explosion war geboren, jedoch sollte sein Durchbruch noch lange auf sich warten lassen.

„Wat is en Dampfmaschin?“

Wir stellen uns mal nicht ganz so dumm, wie der Professor in der „Feuerzangenbowle“. Die Denker und Erfinder konzentrierten sich im 18. Jahrhundert vermehrt auf die Kraft des Wassers und konstruierten zunehmend Maschinen, welche mit Wasserdampf betrieben wurden. Der Dampf heizte dem Jahrhundert im wahrsten Sinne des Wortes ein und machte die Industrialisierung erst möglich.
Die ersten mit Dampf betriebenen Wagen wurden gebaut, waren allerdings nicht sehr alltagstauglich. Die schwer zu lenkenden und behäbigen Gefährte konnten bereits Geschwindigkeiten von bis zu 5 km/h erreichen.
Trevithicks_Dampfwagen.jpgDer Dampfwagen von Richard Trevithick (1803) erreichte 8 km/h. Quelle: William Felton.

Experimente mit Elektrizität und Verbrennungsmotoren

Genaugenommen ist das Elektroauto älter als der Antrieb über den Verbrennungsmotor. Einen Prototypen konnte Robert Anderson bereits in den 1830-er Jahren bauen. Schnell wurde diese Technik jedoch für Schienenfahrzeuge adaptiert und weiterentwickelt. Es dauerte schließlich bis 1881, bis Gustave Trouvé ein wirklich straßentaugliches elektrisch betriebenes Fahrzeug präsentierte. Weitere Elektroautos folgten nur wenige Jahre später.

Das erste Patent auf einen auf Verbrennung im heutigen Sinne basierendem Motor, wurde 1860 an den Viertaktmotor von Christian Reithmann erteilt. Zwar erlosch dieses bereits im folgenden Jahr, allerdings kommen die Erfindungen auf diesem Gebiet in der folgenden Zeit Schlag auf Schlag. In dieser Folge kam es auch zu Patent-Klagen. Aufgrund gesundheitlicher Probleme verleumdete Reithmann in den Prozessen bis 1894 seine Erfindung, woraufhin Nicolaus Otto gerichtlich als Urheber des Motors in die Geschichte einging. Die Geschichte um diesen langjährigen Rechtsstreit wurde 1949 von Arnold Langen in seinem Buch Nicolaus August Otto – der Schöpfer des Verbrennungsmotors veröffentlichte.

Weitab von diesem Streit arbeitete Karl Benz unterdessen an der Entwicklung eines Automobils. Er griff bereits vorhandene Fahrzeug-Elemente auf und optimierte sie dahingehend, dass er am 29. Januar 1886 als „Fahrzeug mit Gasmotorenbetrieb“ zum Patent anmeldete. Dieses Patent wurde wegen seiner enormen Wichtigkeit für die Bedeutung des modernen Verkehrs 2011 von der UNESCO in das Weltdokumentenerbe mit aufgenommen.

Das ist es: das erste Auto der Welt. In diesen historischen Aufnahmen wird er einige Jahre später einem interessierten Publikum vorgeführt.