Geschrieben in Runen. Entwickelt in den 1990-ern. Benannt nach einem mittelalterlichen König. In 95% der modernen Mobiltelefone verbaut – Bluetooth ist irgendwie mehr als ein bloßer Industriestandard für die Datenübertragung. Mit der Leistung von WLAN kann er nicht mithalten, aber dennoch reißt seine Beliebtheit nicht ab. Was macht Bluetooth nur so erfolgreich?

Bluetooth – königlich inspiriert

Woher der Dänenkönig Harald I. „Blauzahn“ Gormson seinen Spitznamen genau hat, lässt sich historisch nicht mehr sicher rekonstruieren. Sicher ist hingegen, dass der um das Jahr 910 geborene Wikingerführer Dänemark und Teile Norwegens während seiner Herrschaft unter sich vereinte. Blauzahn wird nachgesagt, dass er ausgefeilte Kommunikationsfähigkeiten besaß, was die schwedische Firma Ericsson gut tausend Jahre später zu dem Arbeitstitel „Bluetooth“ inspirierte.

Durch die rasche Entwicklung der Computertechnik war es nämlich notwendig geworden, neue Formen der Kommunikation zu entwickeln – in diesem Fall zwischen technischen Geräten. Sah es anfangs noch so aus, als würde sich Infrarot für diese Aufgabe am besten eignen, stellte sich relativ schnell heraus, dass der notwendige Sichtkontakt zwischen Sender und Empfänger eine ziemliche Hürde war. Schnell war deswegen klar: ein funkbasiertes System wäre weitaus flexibler.

Der Erfolg gab Ericsson Recht. Nur ein paar Jahre später gründete der Mobilfunktechnologe zusammen mit den Branchenriesen IBM, Toshiba, Intel und Nokia die Bluetooth Special Interest Group. Schließlich mussten Standards ausgearbeitet und spezifiziert werden, mit welchen marktkonforme Produkte entwickelt werden konnten. Um König Harald weiterhin Tribut zu zollen, wurde auch das weltbekannte Bluetooth-Logo nach diesem Motiv gestaltet. Die weißen Runen auf dem blauen Grund stellen die Initialen des Königs H und B in Form eines Monogramms dar.


Was leistet der Kurzstreckenfunk?

In erster Linie soll Bluetooth ganz einfach Kabel ersetzen, durch die die Daten sonst übertragen worden wären. Bluetooth sendet standardisiert zwischen 2,402 und 2,480 GHz. Um diese Größenordnung grob einordnen zu können, ein paar Vergleichswerte:

  • ≈ 1 Hz – Ruhepuls eines erwachsenen Menschen
  • 16–20 Hz – Infraschall (untere Grenze der menschlichen Wahrnehmung)
  • 16–20 kHz – Ultraschall (obere Grenze der menschlichen Wahrnehmung)
  • 134,2 kHz – RFID (Tags für Haustiere)
  • 87,5–108 MHz – UKW-Hörfunk (Ultrakurzwelle)
  • 2,402–2,480 GHz – Bluetooth
  • 2,455 GHz – Mikrowellen
  • 5,000–5,835 GHz – unregulierte Frequenzen für WLAN

WLAN und Mikrowellen arbeiten auf demselben Frequenzband, weswegen es bei gleichzeitigem Gebrauch in unmittelbarer Nähe zu Störungen kommen kann. Da alle drei Geräte aber häufiger verwendet werden, ist das Bluetooth auf Handys und Smartphones in seiner Leistung recht eingeschränkt. In den drei Bluetooth-Sendeklassen wird dabei für den Mobilfunk die kleinste Sendeleistung (Klasse 3) verwendet:

  1. Klasse: 100 mW Leistung für eine Reichweite von ca. 100 m

  2. Klasse: 2,5 mW Leistung für eine Reichweite von ca. 50 m

  3. Klasse: 1 mW Leistung für eine Reichweite von ca. 10 m

Mit einem üblichen Heimrouter lässt sich eine Leistung von 200 mW abrufen, wobei die maximale Sendeleistung von WLAN bis zu 2000 mW betragen kann. Die maximale Sendeleistung deines Smartphones beträgt ebenfalls 2000 mW, wobei die Leistung unter Abhängigkeit der Entfernung zum Sendemast variiert. Es gilt: je größer die Entfernung, desto mehr Leistung zum Signalaufbau muss erbracht werden. Die geringe Reichweite von Bluetooth ist beim Betrieb im Auto also definitiv ein Plus.

Schließlich ist dadurch ein geringer Energieverbrauch sowie eine niedrigere Belastung durch elektromagnetische Strahlung gegeben als bei einem WLAN. Hinzu kommt, dass sich Bluetooth relativ günstig einbauen und nachträglich installieren lässt, was die Kosten für Produkte, in denen es verbaut ist, gering hält.

PACE Tipp:

Bist du ein Vieltelefonierer, solltest du dein Bluetooth-Headset nicht nur beim Telefonieren im Auto nutzen. Das Headset verbraucht gerade einmal 1 mW und baut damit bis zu 2000 Mal weniger Strahlung auf als dein Smartphone, wenn der nächste Sendemast nicht gerade nebenan steht. Für deine Gesundheit ist das auf jeden Fall ein Pluspunkt.


Was du mit Bluetooth im Auto anstellen kannst

Eine Bemerkung vorab: Die Aufmerksamkeit während des Autofahrens sollte dem Autofahren gelten. Wie wir in unserem Artikel über die Verwendung von Smartphones im Auto festgestellt haben, ist dein Verstand weiterhin dein wichtigstes Werkzeug!

In den letzten Jahren war oft zu lesen, dass Bluetooth im Auto eine problematische Angelegenheit sei. Die Berichte reichen dabei vom „Bluetooth-Desaster“ über den drahtlosen Frust bis hin zu Nutzern, die ihr blaues Wunder erleben . Dass dies keine Überraschung ist, zeigt ein Blick auf die Lebenszyklen. Während ein Smartphone Umfragen zu Folge durchschnittlich zweieinhalb Jahre genutzt und dann gegen ein neueres Modell eingetauscht wird, ist das Durchschnittsauto auf deutschen Straßen bereits neun Jahre alt . Die Technologie der Autos hat es schwer, da mit den kurzen Zyklen der Smartphones mitzuhalten. Doch hat die Autoindustrie mittlerweile weit genug aufgeholt, sodass Smartphone und Pkw problemlos miteinander Informationen austauschen können. Die weitaus beliebteste Verwendung ist dabei die Freisprecheinrichtung. Entweder seitens des Herstellers bereits verbaut oder aber nachgerüstet, lässt es sich so während des Fahrens problemlos telefonieren.

Inzwischen ist es auch möglich, dass Audiostreaming via Funk im Pkw übertragen werden kann. Die vielleicht innovativste und günstigste Möglichkeit ist dabei das Zwischenschalten eines FM-Transmitters. Meistens im Zigarettenanzünder mit Strom versorgt, empfängt er über Bluetooth die Dateien des Smartphones und wandelt diese in ein UKW-Signal um. Mit dem Autoradio kann dieses dann empfangen werden:

Über Bluetooth kannst du im Auto auch die Daten deines Bordcomputers bequem auslesen und so feststellen, wie es deinem Fahrzeug geht. An den OBD2-Port wird ein kleiner Scanner geklemmt, der die Daten ausliest. Dieser Zugang wird auch von Werkstätten genutzt, wenn Fehlercodes ausgelesen werden müssen und ist in der Regel sehr gut zugänglich. Über verfügbare Apps wie beispielsweise PACE hast du dein Service-Center beim Fahren immer bei dir (durch e-Mark-Zertifizierung für den Betrieb im Straßenverkehr gemäß StVO zugelassen). Im direkten Vergleich zu anderen Systemen entstehen für dich durch die praktische Bluetooth-Schnittstelle nach der Anschaffung des Systems keine weiteren Kosten!

Bluetooth schafft in der Tat neue Verbindungen und wird durch innovative Ideen auch noch weiterhin kräftig genutzt werden. Woher König Harald seine blauen Zähne nun gehabt haben mag, weiß niemand. Dass er durch dieses Markenzeichen nun unsterblich geworden ist, ist spätestens dann bewiesen, wenn du beim nächsten Telefonat über Bluetooth im Auto deine Freisprecheinrichtung bedienst.