Wer hätte das gedacht? Nach dem großen Aufschrei im September 2015, bei dem der so genannte VW Abgas-Skandal ans Licht kam, war VW moralisch am Boden. Die Zeitungen wetterten um die Wette, wie viel finanzielle Einbußen der Konzern zu fürchten habe. VW ist relativ unbeschadet aus diesem Sturm heraus und erhält nun einen furiosen Preis!

Abgas-Skandal: was war passiert?

In Berlin ansässigen Forschern des Konzerns der International Council on Clean Transportation (ICCT) fiel auf, dass sich beim Testen gewisser Hersteller Widersprüche ergeben haben. Der Verdacht wurde an die Kollegen in den USA weitergegeben – unter der Maßgabe, dass dortige Modelle den strengen Anforderungen an Emissionen gerecht würden. Getestet wurden die Modelle allerdings nicht auf den Testständen sondern unter Realbedingungen auf der Straße; ein transportables PEMS-Gerät der West Virgina University machte dies möglich. Das Gerät wird dabei einfach in den Kofferraum gelegt. Während der Fahrt werden so die anfallenden Daten der Steuergeräte mitgelesen. Hierbei fiel auf, dass diese Werte die festgelegten Standards um ein Vielfaches überstiegen – was sie auf dem Prüfstand eben nicht taten.


Abgas-Skandal: Wer den Schaden hat...

Das normale Prüfungsverfahren über den Prüfstand ist keine Echtzeitanalyse der Abgaszusammensetzung, sondern lediglich ein Abgleich der aktuell im Fahrzeug produzierten Werte. Die Steuersysteme im Auto kontrollieren ständig die eigenen Funktionen und geben dem Autofahrer erst Meldung, wenn irgendetwas defekt ist. Von dem täglichen Datenaustausch im Auto bekommst du also kaum etwas mit.

Anders ist dies, wenn du OBD2-Lösungen wie PACE nutzt. Das System liest die anfallenden Daten mit und kann dir damit beispielweise helfen, deinen Fahrstil zu verbessern oder anfallende Fehler gegebenenfalls selbst zu lösen. Über den Performance Monitor hält es dich auch über deinen aktuellen Verbrauch auf dem Laufenden.

Wofür genau wird VW jetzt geehrt?

Es gibt legale Mittel, die Abgaswerte so zu beeinflussen, dass Wunschwerte zustande kommen. Dazu gehört beispielsweise das Abschalten diverser Verbraucher im Fahrzeug wie der Klimaanlage. Volkswagen hat nun direkt im Motorsteuergerät einen Befehlsgeber installiert, der erkennen kann, ob das Auto gerade auf seine Abgaswerte getestet wird. Und genau hier liegt das eigentliche Problem: Die Autos produzieren die beworbenen Werte nämlich ausschließlich, wenn sie auf dem Prüfstand stehen. Im alltäglichen Gebrauch überschreiten die Wagen trotzdem sämtliche vorgeschriebenen Grenzwerte.

Volkswagen wurde dieser Preis überreicht für „[…] solving the problem of excessive automobile pollution emissions by automatically, electromechanically producing fewer emissions whenever the cars are being tested” ("…die Lösung des Problems überhöhten Schadstoffausstoßes von Autos durch automatische, elektromechanische Erzeugung von geringeren Emissionen, wenn die Fahrzeuge getestet werden").


Leider nahm Volkswagen diesen Preis nicht persönlich entgegen

Volkswagen habe den Juroren nach erkannt, dass wirtschaftliche Interessen über jegliche moralischen, ethischen und juristischen Standards erhaben sind. Speziell geehrt wird der Hersteller demnach vor allem wegen seiner Kreativität. Dass VW Autos nach klimapolitischen Vorgaben produzieren kann, hat er bewiesen. Dass dieser die Standards bewusst, absichtlich und vorsätzlich offenbar nicht einhält, ist eine neue Qualität der Ig-noranz und den Juroren einem Ig-Nobelpreis würdig.

Hintergrund: der Ig-Nobelpreis

Der Ig-Nobelpreis ehrt Forschung, die zuerst zum Lächeln und später zum Nachdenken bringt. Oft auch als Anti-Nobelpreis bezeichnet, ist der Kern des Anliegens zwar lustig aber durchaus ernstzunehmen. Oft sind es die Ergebnisse obskurer Forschungsthemen, die große Veränderungen mit sich bringen. Der Preis wird in 10 Kategorien vergeben, welche nicht starr vorgeschrieben sind. So gab es bereits einen in Fluiddynamik, Ernährung oder auch Wirtschaftswissenschaften. Das Potpurri an Extravaganz erhält seinen feierlichen Rahmen an der ehrenwerten University of Harvard, wo die Preise von Nobelpreisträgern überreicht werden.

Organisiert wird die Preisverleihung von der Zeitschrift Annals of Improbable Research. In dieser wird Forschung auf vielfache Weise präsentiert. Allen Beiträgen ist jedoch gemein, dass sie einen unterhaltsamen Anspruch haben. So weist beispielsweise der Beitrag „Kansas Is Flatter Than a Pancake“ darauf hin, dass die Methoden dem Ziel der Forschungsfrage angemessen gewählt werden müssen. Den Pancake durch ein Mikroskop und Kansas in einem Maßstab von 1:250,000 betrachtet, ist die These nämlich tatsächlich belegt worden.


Die ganze Zeremonie zum Nachverfolgen. Papierflieger, nörgelnde Kinder und singende Uhren – die Preisträger nehmen die Auszeichnung sehr gern entgegen



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