Die Auto-Branche rüstet sich auf für den nächsten großen Schritt. Fast schon im halbjährlichen Rhythmus präsentieren die Autobauer neue spannende Features, Devices oder Vernetzungsmöglichkeiten. Das Smartcar ist bereits real geworden und hilft dem Autofahrer, viele Aufgaben besser zu bewältigen. Als nächsten Schritt buhlen die Hersteller um den großen Wurf für das Autonome Fahren.

Ein Insider der Branche, Dr. Gill Pratt (Chief Executive Officer, Toyota Research Institute Inc.), versetzte den großen Erwartungen auf der vergangenen CES in Las Vegas nun einen harten Dämpfer: „[…] niemand von uns in der Automobilindustrie oder der IT-Branche ist dabei, echte Level-5-Autonomie zu erreichen. Wir sind noch nicht mal nahe dran", zitiert ihn das Manager Magazin. Das sind starke Worte, von jemandem, der es wissen muss. Als Chef der Forschungsabteilung bei Toyota hat Pratt natürlich intensive Einblicke in das, was momentan möglich ist.

Gill_Pratt.jpgDr. Gill Pratt (Foto: Toyota Media)

Teil-Autonomes Fahren bei Toyota kein Problem

In Europa wurden die Stufen hin zum autonomen Fahren bereits definiert und normiert. Fünf Schritte trennen einen handelsüblichen Wagen, wie er millionenfach in Deutschland gefahren wird, von einem Science-Fiction-Gefährt, welches dich vollkommen automatisch von A nach B bringt. Das, was wir umgangssprachlich unter „autonomen Fahren“ verstehen, stellt dabei die fünfte, die letzte, Stufe auf der Skala dar. Hier ist kein Fahrer erforderlich. Das System erledigt sämtliche Aufgaben allein und braucht dabei auch keinerlei Aufsicht seitens eines Fahrers.

Die 5 Stufen der Fahrzeug-Autonomie:

  • Level 0: „Driver Only“
  • Level 1: Assistenzsysteme unterstützen den Fahrer
  • Level 2: Teilautomatisierung (Die Systeme greifen helfend bei bestimmten Manövern ein, bspw: Einparken, Bremsen, Spurhalten.)
  • Level 3: Hochautomatisierung (Das System übernimmt bestimmte Fahraufgaben selbständig und muss nicht dauerhaft überwacht werden.)
  • Level 4: Vollautomatisierung (Das System übernimmt das Führen des Fahrzeug dauerhaft, menschliches Eingreifen nach Aufforderung.)
  • Level 5: Fahrerlos (Kein menschliches Eingreifen ist mehr nötig.)

Der Lexus SL fährt beispielsweise bereits vollkommen selbständig über öffentliche Straßen. Eine Kombination aus GPS, Karten, dem Radar und integrierten Kameras machen dies bereits seit 2015 möglich. Toyota hat, wie die meisten anderen Forscher und Technikhersteller auch, erst einmal die zweite Stufe dieses Prozesses gemeistert. Mit der Teilautomatisierung ist jedoch noch längst nicht an eine komplette Abgabe der Fahraufgaben zu denken.

Das Statement des Toyota-Entwicklungs-Chefs ist erstaunlich ehrlich und realistisch. Zu hohe Erwartungen sollten Autokäufer dieser Tage noch nicht haben. Auch, wenn irreführende Namen für diese Form der Assistenz suggeriert, dass bereits Stufe 3 oder gar 4 erklommen wurden. Im Prinzip ist der bisherige verfügbare Standard nichts anderes als das erweiterte Verbinden von bereits vorhandener Sensorik mit einem Computer, welcher nach bestimmten Logarithmen auf diese Daten reagiert.

Auf der CES in Las Vegas präsentierte Toyota sein Showcar Concept-i

Toyota: Investitionen für Spitzenforschung

Erst im letzten Jahr gründete Toyota sein eigenes Forschungsinstitut für künstliche Intelligenz: das Toyota Research Institute Inc. (TRI). Damit erhofft sich das Unternehmen nicht nur den entscheidenden Fortschritt in der Autoherstellung, sondern schließt hier die Lücke zwischen der Grundlagenforschung und der tatsächlichen Produktentwicklung. Das Ziel des Unternehmens sei es, dadurch die Forschung zu beschleunigen und so wichtige Lösungen und Ergebnisse für gesellschaftliche Herausforderungen zu liefern.

„Wir wollen erstens die Sicherheit erhöhen, indem wir die Wahrscheinlichkeit, dass ein Auto in einen Unfall verwickelt wird, immer weiter verringern. Zweitens wollen wir Autofahren für jedermann möglich machen. Und drittens wollen wir Toyota Technologie, die für die Mobilität auf den Straßen entwickelt wurde, auch für drinnen nutzbar machen, vor allem um damit ältere Menschen unterstützen zu können. Außerdem wollen wir eine breitere Nutzung unserer Arbeitsergebnisse ermöglichen, beispielsweise zur Effizienzsteigerung in der Produktion und zur Beschleunigung wissenschaftlicher Materialforschung.“

- Dr. Gill Pratt, Chief Executive Officer, Toyota Research Institute Inc.




Der Forschungsstandort ist nicht der einzige, den Toyota selbst unterhält. Es ist bereits der dritte, durch welchen das Investitionsvolumen der Forschung nun auf eine Milliarde US-Dollar in den nächsten fünf Jahren aufgebläht wird. Die Nachbarschaft dieser dritten Forschungseinrichtung hätte eloquenter nicht gewählt werden können; im Silicon Valley, nahe der renommierten Stanford University. Ein weiteres Forschungszentrum befindet sich genau an der gegenüberliegenden Seite der USA: in der Nähe des Massachusetts Institute of Technology (kurz: MIT) an der Ostküste.

Mobilitätsassistent „Urban Teammate“ Toyota.jpgVorführung auf dem G7-Gipfel in Ise-Shima: Toyota ist auf dem Weg zu Autonomie (Foto: Toyota Media )

Im Ranking der „Unternehmen mit den höchsten Ausgaben für Forschung und Entwicklung im Jahr 2016“ gehört Toyota mit 8,8 Milliarden US-Dollar (3,7 % des Umsatzes; Quelle: Statista) zu den Top 10 dazu. Durch diese gekonnte Verzahnung zweier Schlüsseltechnologien der Zukunft beweist Toyota, dass auch in den kommenden Dekaden weiterhin mit dem Branchenriesen zu rechnen ist.


Quellen: