Fast jeder zweite Autofahrer gibt zu, das Smartphone beim Autofahren zu nutzen. Natürlich wissen wir alle, dass es teuer wird, wenn wir dabei erwischt werden. Genauso wissen wir alle um die Gefahren, die davon ausgehen, wenn wir Whatsapp und Co auf der Autobahn checken. Mit den richtigen Accessoires ist eine beschränkte Nutzung allerdings legal möglich

Ein kurzer Blick – was kann da schon passieren?

Laut Bundesverkehrsministerium gilt „Ablenkung […] als eine der häufigsten Unfallursachen auf deutschen Straßen“. Die Ablenkung durch das Smartphone ist verlockend. Schnell ein paar Glückshormone tanken beim Lesen der Nachricht von der oder dem Liebsten und schon ist der Feierabendverkehr besser zu ertragen? Mitnichten. Bereits bei Tempo 50 und einem nur eine Sekunde dauernden Blick auf die Uhrzeit, legt das Auto ganze 14 m im Blindflug zurück. Ein unaufmerksamer Passant, welcher zwischen parkenden Autos hervortritt, wird dann schnell übersehen. Ist das Unglück passiert, wird das Smartphone als Corpus Delicti schnell in irgendeiner Tasche entsorgt. Panik. Eine Ausrede muss her, sonst zahlt die Versicherung nichts. Wie viele Unfälle in Deutschland wirklich auf Smartphone-Nutzung am Steuer zurückzuführen sind, weiß deswegen niemand.

Die Illusion der Kontrolle ist verführerisch

Wohin man auch sieht – Smartphones haben jeden Bereich des Lebens fest im Griff. Mal eben das Wetter gecheckt, dem Partner eine kurze Nachricht geschickt oder eine Notiz erstellt, das alles dauert nur Sekunden. Die einfache Bedienbarkeit der Anwendungen erschafft die Illusion von Kontrolle. Dieser geben sich Menschen auf der ganzen Welt nur allzu gern hin und nutzen den kleinen Alleskönner überall.

In den letzten Jahren starteten viele Initiativen, um mit teilweise schockierenden Videos über youtube, Aufklebern oder Spots zur besten Fernsehzeit auf die Gefahren aufmerksam zu machen. Die Reaktionen darauf waren einhellig positiv. Natürlich ist jeder einzelne, auf den diese Initiativen wirken und der dadurch sein Verhalten ändert, ein großer Erfolg. Das Problem an sich, das Handy am Steuer, ist damit leider noch nicht aus der Welt geschafft. Zu groß ist die Anziehungskraft des Smartphones und die Überzeugung, man sei ein echtes Multitasking-Talent.


Telefonieren am Steuer: die Accessoires

Grundsätzlich gilt: Läuft der Motor, dürfen Handy oder Smartphone nicht angerührt werden! In der Straßenverkehrs-Ordnung definiert § 23 Absatz 1a: „Wer ein Fahrzeug führt, darf ein Mobil- oder Autotelefon nicht benutzen, wenn hierfür das Mobiltelefon oder der Hörer des Autotelefons aufgenommen oder gehalten werden muss. Dies gilt nicht, wenn das Fahrzeug steht und bei Kraftfahrzeugen der Motor ausgeschaltet ist.“ Andernfalls drohen schnell ein Bußgeld von 60 Euro sowie ein Punkt im Flensburger Register.

Im September 2014 entschied das Oberlandesgericht (OLG) Hamm, dass auch das automatische Ausschalten des Motors durch eine Start-Stopp-Funktion als rechtmäßig ausgestellter Motor zählt (Az. 1 RBs 1/14) und das Telefonieren am Steuer so nicht unter § 23 Absatz 1a fällt. In diesem Urteil wird deutlich, dass das Kernanliegen des Handyverbotes darin besteht, dass der Kraftfahrer beide Hände für die eigentlichen Fahraufgaben frei hat. Mal eben zum Smartphone zu greifen, um das Wetter am Zielort zu checken ist demnach genauso verboten, da das Gerät in die Hand genommen werden muss.

Anders verhält es sich jedoch, wenn das Smartphone in eine dafür vorgesehene Handyhalterung für das Auto geklemmt wird. Dem Hauptanliegen des Gesetzgebers ist so Genüge getan, denn die Hände sind frei. Lenken, Schalten oder Blinken sind problemlos durchführbar. Deutsche Gerichte handeln geschlossen rigoros, wenn es um das Thema Smartphone am Steuer geht. So musste ein Autofahrer vor dem Amtsgericht Lüdinghausen (Az. 19 OWi-89 JS 86/14-14/14) erfahren, dass selbst eine blendende Akkustandanzeige in der Windschutzscheibe noch keine Rechtfertigung darstellt, das Gerät in die Hand zu nehmen. Eine Handyhalterung hätte dies verhindert. Kombiniert mit einem Headset oder, noch besser, einer Freisprecheinrichtung, ist das Telefonieren am Steuer nun straffrei möglich.

Und was ist mit Apps?

Zugegeben; was die Nutzung von Smartphone-Apps durch den Fahrer im Auto angeht, befinden wir uns in einer gewissen Grauzone. So ist die Verwendung des Smartphones als Navigationsgerät nicht verboten. Grundsätzlich muss immer eine Smartphone Halterung genutzt werden, damit gewährleistet ist, dass die Hände für die Fahraufgaben frei sind.

Das wichtigste Instrument in dieser Sache ist und bleibt somit vorerst der eigene Verstand! Rasende Pokémon-Jäger sind dabei nur ein Beispiel für den leichtsinnigen Gebrauch des Smartphones beim Autofahren, da das immense Potenzial der Ablenkung eine grundlegende Funktion des Spiels ist. Smarte Apps hingegen, die lediglich zur Informationswiedergabe dienen (und die bestenfalls noch über eine Sprachsteuerung verfügen) sollten daher problemlos genutzt werden können. Die Nutzung von Wetteranzeigen, Radio oder PACE stellen so grundlegend kein Problem dar.


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