Die Ampel springt vor dir auf gelb. Ein kurzer Impuls, ein bisschen Bauchgefühl und du entscheidest dich, dass du da noch drüber passt. Zwischen „es passiert nichts“ und „du verursachst einen Unfall“ kann in solch einem Moment allerdings alles geschehen. Sobald auch nur eine Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer durch dein Verhalten gegeben ist, bist du ein Straftäter. Das Überfahren einer roten Ampel solltest du also nicht auf die leichte Schulter nehmen!

Rote Ampel – auf die Dauer kommt es an

Das Verkehrsrecht unterscheidet beim Überfahren der roten Ampel zwischen einem qualifizierten und einem einfachen Rotlichtverstoß. Dabei kommt es ganz darauf an, wie lange die Ampel bereits auf Rot geschaltet war, als sie überfahren wurde. Ist die Ampel unter einer Sekunde rot, als du sie überfahren hast, liegt ein einfacher Rotlichtverstoß vor. Ist die Ampel bereits länger als eine Sekunde auf das rote Licht umgesprungen, hast du einen qualifizierten Rotlichtverstoß begangen. Maßgeblich hierbei ist, wann du die Haltelinie überquert hast.

Die Feststellung, wann der Verstoß einfach oder qualifiziert ist, reicht nach Ansicht des Amtsgerichtes Lüdinghausen für eine Schätzung nicht aus. In dem verhandelten Fall (Az.: 19 OWi-89 Js 1024/14-97/14) beobachtete ein Polizist, welcher privat unterwegs war, wie ein Autofahrer bei Rot über eine Fußgängerampel fuhr. Der Polizist schätzte die Dauer der Rotanzeige auf über eine Sekunde und brachte den Vorgang zur Anzeige.

Das Gericht stellte nun fest, „[…] dass eine nicht gezielte Feststellung eines Rotlichtverstoßes bei einfachen Zeitschätzungen zumindest weitere Indizien feststellen muss, anhand derer sich die Schätzung der bereits verstrichenen Rotlichtzeit zur Zeit des Verstoßes abschätzen oder zumindest plausibel abgleichen lässt“. Es müssen demnach zumindest plausible Rechnungen vorliegen, die den Tatverdacht unterstützen.

rote-ampel-notfall.jpgWartest du an der roten Ampel und es kommt ein Rettungs- oder Krankenwagen mit Blaulicht, kannst du, um auszuweichen, so weit als nötig auch über die Haltelinie einer roten Ampel fahren.

Wie teuer wird es?

Der Fahrer aus dem obigen Beispiel kommt demnach mit einem einfachen Rotlichtverstoß mit einer Strafe von 120 € relativ günstig davon. Laut dem ersten Bußgeldbescheid, in welchem ihm noch ein qualifizierter Verstoß vorgeworfen wurde, wären 250 € fällig gewesen. Da es in diesem speziellen Fall zu keiner Gefährdung kam, wurde auch kein Fahrverbot ausgesprochen.

Liegt im einfachen Rotlichtverstoß eine Gefährdung oder gar Sachbeschädigung vor, muss jeder Autofahrer mit einer saftigen Strafe, Punkten im Fahreignungsregister sowie einem Fahrverbot rechnen. Ist ein qualifizierter Rotlichtverstoß nachweisbar, kann das Strafmaß bis hin zu einer Freiheitsstrafe reichen.

Einfacher Rotlichtverstoß:

  • 90 € + 1 Punkt
  • mit Gefährdung: 200 € + 2 Punkte + 1 Monat Fahrverbot
  • mit Sachbeschädigung: 240 € + 2 Punkte + 1 Monat Fahrverbot

Qualifizierter Rotlichtverstoß:

  • 200 € + 2 Punkte + 1 Monat Fahrverbot (+ je nach Tatbestand Geldstrafe, Führerscheinentzug und Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren)
  • mit Gefährdung: 320 € + 2 Punkte + 1 Monat Fahrverbot (+ je nach Tatbestand Geldstrafe, Führerscheinentzug und Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren)
  • mit Sachbeschädigung: 360 € + 2 Punkte + 1 Monat Fahrverbot (+ je nach Tatbestand Geldstrafe, Führerscheinentzug und Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren)

Was tun bei defekter Ampel?

Rein subjektiv wird Wartezeit immer als länger empfunden, als sie tatsächlich objektiv ist. Besonders an einer roten Ampel, wenn nichts weiter zu tun ist, als auf das Rot zu starren, kann sich die Zeit in die Länge ziehen. Liegt an der Ampel aber ein Defekt vor, kann natürlich nicht erwartet werden, dass die Pkw dort ewig stehen. Hast du den Verdacht, dass die Ampelanlage defekt ist, solltest du die Ampelphasen der anderen Richtungen beobachten. Haben diese zwei Grünphasen und du keine, hast du bereits einen ersten Anhaltspunkt. Beachte hierbei jedoch, dass Bus- und Bahnverkehr oftmals dazu führen können, dass eine Grünschaltung ausfällt.

traffic-lights-69338.jpgAmpel defekt? Unter bestimmten Voraussetzungen darfst du sie überfahren

Es gibt keine genau definierte Zeit, wie lange an einer defekten Ampel gewartet werden muss. Das Oberlandesgericht Hamm stellte in einem Urteil jedoch klar, dass unter drei Minuten Wartezeit nicht von einem Defekt ausgegangen werden könne: „Zeigt die Lichtzeichenanlage an einem Einmündungsbereich ca. 3 Minuten Rot, darf der betroffene Verkehrsteilnehmer nämlich nicht ohne weiteres von einer Funktionsstörung ausgehen, sondern ist verpflichtet, die Lichtzeichenanlage über einen erheblich längeren Zeitraum zu beobachten.“

Leider wird in diesem Urteil nicht weiter definiert, was unter „erheblich länger“ zu verstehen ist. Sicherheitshalber solltest du mindestens fünf Minuten warten. Bevor du die Kreuzung nun überquerst, musst du ausschließen, dass andere Verkehrsteilnehmer behindert oder gar gefährdet werden. Das bedeutet konkret: langsames Vortasten!

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