Nach Abgasaffäre und Dieselskandal fühlen sich viele Autofahrer unsicher. Wieviel Schmutz produziert mein Fahrzeug wirklich? Welche Kosten wird mein neues Auto verursachen? Darf ich in meiner Stadt weiterhin Diesel fahren? Die PACE-Redaktion hat sich für dich umgehört.

Unabhängig davon, ob es dir als Autoliebhaber um Umwelt oder Kosten geht: Transparenz bei den Verbrauchs- und Abgaswerten eines Autos ist enorm wichtig. Die Autohersteller strengen sich nach den jüngsten Skandalen an, das Vertrauen der Verbraucher zurückzubekommen. Und auch bei den offiziellen Stellen regt sich etwas.

Verbrauchsmessung unter realen Bedingungen

Derzeit rüstet die EU-Kommission auf. Sie will ihre Messungen im Kampf gegen Manipulationen statt im Labor jetzt unter realen Bedingungen durchführen lassen: Auf der Straße, mit den Autos der EU-Bürger.

Ähnlich wie beim „eCall“ sollen Neufahrzeuge dafür direkt mit dem neuen Gerät ausgestattet werden. Im Gegensatz zum lebensrettenden automatischen Notruf sind die Experten bei der automatischen Treibstoff- oder Stromverbrauchsmessung allerdings kritisch.

Auspuff

Spritverbrauchmessung des Bordcomputers reicht aus

Laut stern ist der Grund für die Skepsis die Tatsache, dass Autofahrer heutzutage ihren Spritverbrauch mit einfachen technischen Mitteln selbst ausrechnen können und somit auch nicht mehr auf geschönte Werte hereinfallen müssen.

Hierzu bedarf es entweder weniger Klicks im Bordcomputer oder auch des Anschlusses eines OBD2-Adapters, der den Spritverbrauch mittels der strengen Standards unterliegenden Diagnoseschnittstelle aus unterschiedlichen Werten (unter anderem aus dem Abgassystem) berechnet.

Nicht alle Autos übermitteln korrekte Werte

Wie überall kann es auch hier zu Abweichungen oder Informationslücken kommen – nämlich dann, wenn die Fahrzeughersteller nicht alle benötigten Daten über die Schnittstelle kommunizieren. In diesen Fällen arbeiten Anbieter wie z. B. PACE an einer schnellen Annäherung der Werte.

Kann ich meinen Diesel weiterhin fahren?

Bei der Entscheidung über die Zukunft deines Dieselfahrzeugs ist die Sache leider nicht so einfach. Das Bundesverwaltungsgericht hat zwar keine Fahrverbote eingeführt, dafür aber die Kommunen ermächtigt, eigenständig Diesel-Fahrverbote zu verhängen.

Was dies für den einzelnen bedeutet, ist noch immer nicht ganz klar, denn die Pläne der einzelnen Städte stecken genau wie die technischen Nachrüstungspläne der Regierung gefühlt noch in den Kinderschuhen.

Von den ersten Fahrverboten wären zwei Drittel der Dieselfahrzeuge in Deutschland betroffen – nämlich die Pkw der Schadstoffklassen Euro 4 und schlechter. Für Euro 5-Modelle wird im Urteil des Bundesverwaltungsgerichts von einer Übergangsfrist von einem Jahr gesprochen.

Fahrzeuge, die die Euro-6 Norm erfüllen, werden voraussichtlich nicht von den Diesel-Fahrverboten betroffen sein.

Wie finde ich die Schadstoffklasse heraus?

Der Fahrzeugschein deines Autos gibt dir Auskunft über deine Schadstoffklasse. Bei neueren Scheinen findest du unter "14" eine klare Klassifizierung.

Wenn du einen älteren Fahrzeugschein besitzt, kannst du deine Schadstoffklasse mithilfe der letzten beiden Ziffern der "Schlüsselnummer zu 1" herausfinden: Ziffern 00 - 88 bedeuten Euro 1 bis Euro 4. Steht dort die 35 mit Buchstaben, hast du Euro 5. Und bei einer 36 mit Buchstaben bist du glücklicher Euro 6-Kandidat und musst dir keine Sorgen machen.

Deutsche Umwelthilfe: Klage gegen 28 Städte

Derweil hat die Deutsche Umwelthilfe (DUH) gegen elf weitere Städte Klagen für „saubere Luft“ eingereicht. Die Liste der Beklagten wegen nicht eingehaltener NO2-Grenzwerte umfasst damit mittlerweile 28 Städte.

Diese Städte wiesen nach den amtlichen Messungen einen besonders hohen Konzentrationswert von 50µg NO2/m³ oder mehr im Jahresdurchschnitt 2016 auf. Der aktuelle Grenzwert liegt bei 40µg NO2/m³

Polizei: Fahrverbote nicht durchführbar

Die Stadt Berlin startete am 9. April einen Modellversuch, in dem die hohe Stickoxidbelastung durch eine Tempo-30-Begrenzung verringert werden soll. Die Teststrecke für dieses Experiment führt mitten durch ein stark befahrenes Gebiet.

Sollte diese Maßnahme zu einer ausreichenden Reduzierung der NO2-Belastung im getesteten Gebiet führen, könnte dies vielen existenzgefährdeten Dieselfahrern Hoffnung machen.

Aber nicht nur aus den Dieselfahrzeugen wäre womöglich ein erleichtertes Seufzen zu hören, sondern auch aus deutschen Polizeirevieren. Laut dpa wären die Fahrverbote für die Polizei nämlich überhaupt nicht durchführbar.

Dieselverbot: Wo besteht das größte Risiko?

Die Lage ist weiterhin unübersichtlich. Einige Städte wollen sofort reagieren, andere lehnen eine Verbannung von Dieselfahrzeugen ab. Nach aktuellem Stand ist das Risiko in folgenden Städten am höchsten:

StadtWo drohen Diesel-FahrverboteWann treten die Verbote in Kraft?
HamburgTeilstücke einzelner StraßenApril 2018
StuttgartTalkessel, Feuerbach, ZuffenhausenEnde 2018
DüsseldorfInnenstadt2020
Münchenunklarunklar, Konzept wird erstellt
AachenunklarDUH-Klage läuft
BerlinunklarDUH-Klage läuft
BonnunklarDUH-Klage läuft
DarmstadtunklarDUH-Klage läuft
EssenunklarDUH-Klage läuft
Frankfurt am MainunklarDUH-Klage läuft
GelsenkirchenunklarDUH-Klage läuft
KölnunklarDUH-Klage läuft
Limburg unklarDUH-Klage läuft
MainzunklarDUH-Klage läuft
OffenbachunklarDUH-Klage läuft
ReutlingenunklarDUH-Klage läuft
WiesbadenunklarDUH-Klage läuft
DortmundunklarDUH-Klage läuft
BochumunklarDUH-Klage läuft
DürenunklarDUH-Klage läuft
PaderbornunklarDUH-Klage läuft
OffenbachunklarDUH-Klage läuft
HeilbronnunklarDUH-Klage läuft
LudwigsburgunklarDUH-Klage läuft
BacknangunklarDUH-Klage läuft
EsslingenunklarDUH-Klage läuft
MarbachunklarDUH-Klage läuft
ReutlingenunklarDUH-Klage läuft

Weiterhin wurde für viele andere Städte das formale Verfahren zur Sicherstellung der Einhaltung der NO2-Grenzwerte eingeleitet.

Wir halten dich zum Thema Diesel-Fahrverbote wie immer im PACE-Magazin und auf unserer Facebook-Seite auf dem Laufenden.






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