Ob du nun ein notorischer Punktesammler bist oder ein- bzw. mehrmals unter Drogen-/Alkoholeinfluss gefahren bist – wenn dein Führerschein (zu Recht) weg ist, musst du zur medizinisch-psychologischen Untersuchung (MPU), liebevoll auch „Idiotentest“ genannt. Was du alles über die MPU wissen musst, erklärt dir die PACE-Redaktion.

91.185 medizinisch-psychologische Untersuchungen fanden 2016 in Deutschland statt, mehrheitlich wegen Alkohol am Steuer. Mit der MPU soll festgestellt werden, ob du zum Führen eines Fahrzeuges geeignet bist – oder nicht. Das Ziel seit der Einführung der Untersuchung 1954 ist, dadurch die Verkehrssicherheit zu verbessern.

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Hauptgrund für MPUs: Alkohol am Steuer

Wann muss ich zur MPU?

Es gibt verschiedene Gründe, weswegen dir eine medizinisch-psychologische Untersuchung angeordnet werden kann. Die häufigsten sind:

Alkohol am Steuer

Wirst du zum ersten Mal mit einer sehr hohen Promillezahl ab 1,1 oder ab 1,6 (variiert je nach Bundesland) erwischt, musst du zur MPU.

Dir kann aber auch unter diesen Promillewerten eine MPU angeordnet werden, wenn du bereits aktenkundig mehr als einmal unter Alkoholeinfluss gefahren bist.

Auch wenn du nicht beim Fahren unter Alkoholeinfluss erwischt wurdest, kann dir dennoch die Untersuchung drohen, wenn du Straftaten außerhalb des Straßenverkehrs im alkoholisierten Zustand begangen hast oder eine Alkoholsucht bei dir vermutet wird.

Drogenkonsum

Wirst du beim Fahren unter Drogeneinfluss erwischt, wird eine MPU angeordnet.

Ebenso wie beim Alkohol, kann eine Untersuchung angeordnet werden, wenn du nicht beim Fahren erwischt wirst, sondern der Drogenkonsum außerhalb des Straßenverkehrs bewiesen wird.

Punkte in Flensburg

Notorische Punktesammler (ab 8 Punkten) bekommen den Führerschein entzogen und müssen ebenfalls zur MPU. Wer es schafft, so oft erwischt und bestraft zu werden, muss wirklich gravierende Verstöße begangen haben: rückstichtloses Fahren, Fahrerflucht oder Nötigung – um nur einige zu nennen.

Strafrechtliche Auffälligkeiten

Solltest du strafrechtlich bereits mehrmals aufgefallen sein oder Straftaten begangen haben, die mit einer besonders hohen Aggressivität und niedriger Impulskontrolle einhergehen, kann eine MPU angeordnet werden.

Hinweis: Auch wenn du gar keinen Führerschein besitzt und z. B. mit 1,1 bzw. 1,6 Promille beim Fahrradfahren erwischt wirst, kann ein MPU-Gutachten von dir gefordert werden, sobald du dich zu einem späteren Zeitpunkt bei der Fahrerlaubnisbehörde für die Führerscheinprüfung anmeldest.

Vor der MPU
– Vorbereitung ist das A und O

Wichtig ist vor allem, dass du dich gut auf die medizinisch-psychologische Untersuchung vorbereitest. Sie ist leider nicht so leicht wie gedacht, und wenn du denkst, dass du das mit links schaffst, fällst du wahrscheinlich auch durch.

Empfohlen wird im Allgemeinen, einen Verkehrspsychologen aufzusuchen, der dich vorab berät. Dies ist keine Pflicht, wird aber angeraten zu tun, sobald deine Sperrzeit beginnt.

Hinweis: Du als Betroffener – und nicht die Führerscheinstelle – musst die Begutachtungsstelle für Fahreignung (BfF) mit der Erstellung eines Gutachtens beauftragen.

Verlange bei deiner zuständigen Behörde eine Einsicht in deine Führerscheinakte, denn darin finden sich alle Informationen, die für deine MPU relevant sind: All deine Verstöße wie z. B. Trunkenheits- oder Drogenfahrten sind darin vermerkt. Diese Akte wird am Tag der Untersuchung auch den Gutachtern vorliegen und von ihnen durchgearbeitet.

Vorab Einsicht in deine Akte zu haben, hilft dir sehr bei der Vorbereitung. Du kannst dich bereits auf eventuelle Fragen einstellen, die sich daraus ergeben könnten.

Wie läuft so eine Vorbereitung ab?

Entscheidest du dich für eine Vorbereitung mit einem Verkehrspsychologen, ist es wichtig, dass dieser seriös und kompetent ist. Leider ist das Internet voller fadenscheiniger Angebote und Vorbereitungskurse, die viel Geld kosten und meist wenig bringen.

Die Bundesanstalt für Straßenwesen (bast) bietet auf ihrer Website viele Informationen zu der MPU im Allgemeinen, aber auch Tipps zur Vorbereitung und empfiehlt geeignete Berater.

Vor der eigentlichen Beratung schließt der Verkehrspsychologe mit dir einen Vertrag ab. Darin sind Einzelheiten wie u. a. die genauen Kosten und die Dauer der Beratung eingetragen. Es ist sehr wichtig, dies vorab schriftlich festzuhalten, und auch ein Erkennungsmerkmal einer seriösen Beratung.

Dein Berater geht mit dir den Ablauf einer medizinisch-psychologischen Untersuchung durch, klärt dich über Einzelheiten auf und berät dich im Allgemeinen.

Für dich wichtige Fragen, die u. a. in der Beratung geklärt werden:

  • Wie läuft eine MPU ab?
  • Was brauche ich noch für die MPU (z. B. Drogenscreenings)?
  • Wann muss ich mich zur MPU anmelden?
  • Wie kann ich mich noch vorbereiten?

Du wirst in Einzel- oder Gruppensitzungen beraten, im Durchschnitt reichen bei Einzelgesprächen 10 Stunden und bei Gruppensitzungen 15 - 20 Stunden, um auf die MPU gut vorbereitet zu sein.

Nach der verkehrspsychologischen Beratung bekommst du ein schriftliches Beratungsergebnis oder eine Teilnahmebestätigung, die du bei deiner zuständigen Führerscheinstelle bzw. spätestens bei der MPU vorzeigen kannst.

Was sind die Kosten für die Vorbereitung zur MPU?

Du entscheidest dich freiwillig für eine Beratung und daher musst du diese auch aus eigener Tasche zahlen. Leider sind die Kosten hierfür nicht gesetzlich geregelt und können stark variieren. Je nachdem ob du Gruppen- oder Einzelgespräche wählst, belaufen sich die Kosten auf ca. 50 - 100 Euro pro Sitzung.

Du kannst dich auch für Seminare entscheiden, die einen Tag lang gehen und zwischen 150 - 300 Euro kosten können. Eine weitere Möglichkeit sind Kurse, die über 4 bis 10 Wochen laufen und einmal wöchentlich angeboten werden. Je nachdem was für Leistungen du buchst, und abhängig vom Anbieter belaufen sich hier die Kosten auf 500 - 1000 Euro.

Beachte aber, dass du je nach Thema verschiedene Kurse wählen kannst bzw. solltest. Dies bedeutet, falls du für Alkohol- oder Drogenmissbrauch zur MPU musst, solltest du auch zwei verschiedene Vorbereitungskurse belegen: Einen, der speziell auf Probleme mit Drogen- und Alkoholkonsum ausgerichtet ist, und einen zweiten, der die Einzelheiten der MPU im Allgemeinen erläutert.

Falls du wegen Alkohol- oder Drogenkonsum zur MPU musst, wirst du einen Abstinenznachweis erbringen müssen, sofern du mit einem Blutalkohol über 1,1 bzw. 1,6 Promille gefahren oder mehrfach auffällig geworden bist (z. B. zweimal mit 0,6 Promille). In diesem Fall gehen die Behörden nämlich davon aus, dass du ein Alkoholproblem hast.

Um dies zu prüfen, werden Urin- und Haarproben genommen. In der Regel musst du entweder 4 Mal in 6 Monaten oder 6 Mal in einem Jahr einen Urintest machen. Dieser Abstinenznachweis kostet dich pro Untersuchung 50 - 370 Euro (je nach zu untersuchenden Substanzen).

Drogen Screenings beim Arzt
Ohne regelmäßige Screenings gibt es auch keinen Führerschein zurück.

Berater und Beratungsstellen wissen um diese hohen Kosten und die damit verbundenen Probleme mit den Zahlungen. Daher bieten viele Ratenzahlungen an. Wem dies trotzdem noch zu viel Geld ist, kann theoretisch 15 Jahre warten, bis die Anordnung zur MPU verjährt ist, und dann den Führerschein wieder neu beantragen.

Achtung vor dem ausländischen EU-Führerschein: Sieh bitte davon ab, mittels eines ausländischen EU-Führerescheins die MPU zu umgehen. Zum einen wird er nicht anerkannt, wenn du bereits einer Sperrfrist für eine Neuerteilung unterliegst, und zum anderen wurden schon viele von selbst ernannten Vermittlern dreist abgezogen.

Ungefähr drei Monate vor dem Ende deiner Sperrfrist kannst du deinen Führerschein neu beantragen. Sobald der Antrag eingereicht und vollständig ist, wird deine Akte an die Begutachtungsstelle deiner Wahl geschickt. Einen Termin erhältst du meist innerhalb von 4 - 8 Wochen.

Im Regelfall solltest du 6 Monate warten, bis du deinen Führerschein neu beantragst. Solltest du aber noch mehrere Screenings vorab durchführen müssen, kann sich die Wartezeit auf über 12 Monate ziehen.

Was passiert bei der MPU?

Die MPU ist in vier Bereiche eingeteilt:

  • Anmeldung und schriftliche Befragung
  • Medizinische Untersuchung
  • Leistungstest
  • Psychologische Untersuchung

Insgesamt dauert eine medizinisch-psychologische Untersuchung um die 2,5 Stunden: Die Anmeldung und die schriftliche Befragung dauert ungefähr 40 Minuten, die medizinische Untersuchung ca. 30 Minuten, der Leistungstest 20 Minuten und das Gespräch mit dem psychologischen Gutachter etwa einen Stunde.

Schriftliche Befragung

Nachdem du bei der MPU-Stelle angekommen bist, meldest du dich an und musst einige Fragebögen ausfüllen.

Medizinische Untersuchung

Hier wirst du ärztlich untersucht und sprichst mit dem Arzt über die Gründe deiner Verkehrsauffälligkeit. Solltest du beispielsweise wegen Alkoholkonsums hier sein, werden deine Leberwerte gecheckt. Dafür reicht eine bloße Blutabnahme, um festzustellen, ob deine Leberwerte erhöht sind und du demnach weiterhin Alkohol konsumierst.

Bei Drogen wirst du wahrscheinlich eine Urinprobe abgeben müssen.

Bei dieser Untersuchung kannst du auch deinen Abstinenznachweis vorzeigen, sofern du einen brauchst.

Leistungstest

Bei dem Leistungstest wird deine Reaktions- und Konzentrationsfähigkeit getestet sowie deine Aufmerksamkeitsleistung. Hierbei soll festgestellt werden, ob du körperlich in der Lage bist, ein Fahrzeug zu steuern. Dieser Test findet an einem Computer statt.

Psychologische Untersuchung

Bei der psychologischen Untersuchung führst du ein etwa einstündiges Gespräch mit einem psychologischen Gutachter. Hier werden über die Gründe für deine Auffälligkeit(en) im Verkehr gesprochen und wie du dein Verhalten bis jetzt verändert hast. Wichtig ist, dass du zeigen kannst, wie sehr du dein Problem schon angepackt bzw. eine Lösung dafür gefunden hast.

Die Gutachter schreiben alles mit, du hast danach die Möglichkeit, deine Aussagen nochmal durchzulesen und Fehlerhaftes/Falsches zu besprechen oder aber auch Zusätze einzufügen.

Gutachter MPU

Was kommt nach der MPU?

Es kann sein, dass gleich nach der MPU das Ergebnis schon fest steht, das dir unter Vorbehalt dann direkt auch mitgeteilt wird. Ansonsten bekommst du innerhalb von ca. 2 Wochen das MPU-Gutachten zugeschickt.

Folgende Einteilungen sind möglich: Entweder du bekommst ein positives oder ein negatives Gutachten. Bei Letzterem musst du wieder zur MPU. Es kann aber auch sein, dass du als nachschulungsfähig eingestuft wurdest.

Diese Empfehlung zur verkehrspsychologischen Nachschulung wird dann gegeben, wenn die korrekten Ansätze zur Änderung deines Verhaltens bei dir erkennbar sind, aber du sie noch nicht vollkommen verinnerlicht hast. Nachdem du diese Nachschulung absolviert hast, bekommst du deine Fahrerlaubnis wieder.

Dieser Kurs kostet auch wieder einiges an Geld: Du kannst mit ca. 400 Euro rechnen.

Kosten für die MPU

Die Kosten für die MPU sind gesetzlich geregelt und bleiben immer gleich, du findest diese in der Gebührenordnung für Maßnahmen im Straßenverkehr (GebOSt). Die hier angegebenen Kosten sind die Netto-Kosten, du muss die Mehrwertsteuer noch dazurechnen.

Kosten für die medizinisch-psychologische Untersuchung (Auswahl)

GrundNetto-Kosten
Alokohol 338 Euro
Drogen 338 Euro
Drogen inkl. Screening 466 Euro
Punkte 292 Euro

Alles zusammengerechnet (Vorbereitung, Screenings und MPU) kommst du somit leicht auf 1.000 - 2.500 Euro Gesamtkosten. Solltest du die MPU nicht bestehen, musst du alles erneut zum selben Preis bezahlen.

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