Vorab: Nein, du sollst nicht betrunken Auto fahren. Damit gefährdest du dich und andere. Trotzdem kann die Polizei dich nicht zwingen, auf offener Straße ins Röhrchen zu pusten. Warum? Das liest du in diesem Artikel.

Viele waren schon in dieser Situation: Nach einem Feierabendbier bei Freunden oder im Biergarten steigt man für die Heimfahrt ins Auto – und wird prompt von der Polizei angehalten. Jetzt beginnt das Zittern: Reicht der Liter Bier, um die Grenze von 0,5 Promille zu überschreiten?

Auch ein Glas Wein kann schon zur Fahruntüchtigkeit führen

Was ist ratsamer: eine Atemalkoholkontrolle oder der Bluttest? Wer einem Atemalkoholtest zustimmt, hilft unter Umständen der Polizei dabei, Beweismittel gegen sich selbst zu sammeln. Hierzu ist niemand verpflichtet. Auch das häufig geäußerte Argument von Polizisten, der Test diene nur der Entlastung, ist schlichtweg falsch.

Denn solange keine Beweise vorliegen, gilt in Deutschland stets die Unschuldsvermutung. Das Pusten (am sogenannten Atemalkohol-Vortestgerät) dient also vielmehr dazu, ein vorliegendes Verdachtsmoment der Polizei zu erhärten.

Atemalkoholtest ablehnen

Wenn ein Autofahrer dazu aufgefordert wird, einen Atemalkoholtest zu absolvieren, soll auf diese Weise der bestehende Verdacht des Kontrolleurs bestätigt werden, dass der Fahrer unter Alkoholeinfluss steht. Ein Beweis allerdings ist der Atemtest am tragbaren Gerät nicht.

So ist für ein Strafverfahren vor einem Gericht einzig eine Blut-Untersuchung oder ein Atemtest an einem stationären Atemalkohol-Messgerät verwertbar. Für die Verhängung eines Bußgeldes jedoch reicht auch der mobile Atemtest aus.

Ob die Beamten einen Fahrer, der das Pusten ablehnt, aber extra für den Bluttest mit auf die Wache nehmen, ist fraglich. Rechtexperten raten daher stets dazu, die Atemalkohol-Kontrolle abzulehnen.

Kann man auch einen Drogentest ablehnen?

Neben den Alkoholtests gehören seit einigen Jahren auch Drogentests zum üblichen Repertoire der Verkehrspolizei. Nachdem anfänglich vor allem Speichel- und Schweißtests zum Einsatz kamen, wurden diese aufgrund ihrer Unzuverlässigkeit inzwischen weitgehend durch Urintests ersetzt.

Hierbei muss der Autofahrer in einen Becher urinieren, anschließend wird ein Teststreifen in den Becher getaucht, der mit einer Trefferquote von rund 80 Prozent Rückschlüsse auf die Einnahme von Kokain, Cannabis, Amphetaminen oder Opiaten zulässt.

Genau wie im Fall des Atemtests können Autofahrer auch den Urintest ablehnen. Allerdings führt die Polizei einen solchen Test in der Regel nur dann durch, wenn zuverlässige Anhaltspunkte (wie beispielsweise eine verlangsamte Pupillenreaktion oder starke Nervosität) den Verdacht hervorrufen, dass ein Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz vorliegt.

Und sofern genug verdächtige Anzeichen für eine Straftat im Straßenverkehr vorhanden sind, scheuen sich die Gesetzeshüter auch nicht davor, einen potenziellen Straftäter mittels kurzfristigem richterlichem Beschluss zur Abgabe eines Bluttests zu zwingen.

Bitte gib lieber deinen Autoschlüssel ab, als dich und andere zu gefährden.

Kein Freibrief für Verkehrssünder

Die Informationen dieses Artikels sollen nicht als Ermunterung zu Fahren unter Alkoholeinfluss missverstanden werden. Denn nach wie vor gilt: Alkohol und andere Betäubungsmittel haben hinter dem Steuer nichts zu suchen.

Mehr als 3000 Menschen starben im vergangenen Jahr auf deutschen Straßen. Die Hauptverursacher der tödlichen Unfälle: Überhöhte Geschwindigkeit und Trunkenheit am Steuer.

Doch Verkehrsteilnehmer sollten sich nicht nur ihrer Pflichten sondern auch ihrer Rechte genau bewusst sein. So geben Fälle von Fußgängern Anlass zur Sorge, die einen Alkoholtest absolvieren mussten und am Ende den Führerschein verloren - obwohl sie seit Jahren nicht mehr mit dem Auto unterwegs waren.

Denn letztlich darf die gesetzliche Promillegrenze nicht dazu führen, dass jemand Angst um die Fahrerlaubnis haben muss, nur weil nach einem Kneipenbesuch noch der Fußmarsch nach Hause ansteht.