Vorab: Nein, du sollst nicht betrunken Auto fahren. Damit gefährdest du dich und andere. Trotzdem kann die Polizei dich nicht zwingen, auf offener Straße ins Röhrchen zu pusten. Warum? Das liest du in diesem Artikel.

Warst du auch schon in dieser Situation? Nach einem Feierabendbier steigt man für die Heimfahrt ins Auto – und wird prompt von der Polizei angehalten. Das Zittern beginnt: Habe ich die 0,5-Promille-Grenze überschritten?

Auch ein Glas Wein kann schon zur Fahruntüchtigkeit führen

Ordnungswidrigkeit oder Straftat?

Die Promillegrenze entscheidet, ob du eine Ordnungswidrigkeit oder eine Straftat begangen hast. Ist die Grenze von 0,5 Promille nämlich überschritten, handelt es sich um eine Straftat.

Für die Verhängung eines Bußgeldes (also im Falle einer Ordnungswidrigkeit) reicht der mobile Atemtest aus. Wenn du dich also hierbei nicht weigerst, darfst du direkt zahlen.

Mobile Atemkontrolle ist kein Beweismittel

Wenn du auf der Straße dazu aufgefordert wirst, einen Atemalkoholtest zu absolvieren, soll damit der Verdacht bestätigt werden, dass du unter Alkoholeinfluss stehst. Ein gerichtlich zugelassener Beweis allerdings ist der Atemtest am tragbaren Gerät nicht.

Für ein Strafverfahren vor einem Gericht ist einzig eine Blutuntersuchung oder ein Atemtest an einem stationären Atemalkohol-Messgerät verwertbar.

Bußgelder bei Alkoholverstoß

VerstoßBußgeld in €Punkte in FlensburgFahrverbot in MonatenMögliche weitere Konsequenzen
Sichtbare Fahrunsicherheit bei 0,3 - 0,5 ‰50021 
0,3 - 0,5 ‰
mit Unfallfolge
variabel3variabelFührerscheinentzug oder Freiheitsstrafe
0,5 ‰-Überschreitung,
1. Mal
50021  
0,5 ‰-Überschreitung,
2. Mal
100023  
0,5 ‰-Überschreitung,
3. Mal
150023  
Gefährdung des Verkehrs unter Alkoholeinfluss
ab 0,3 ‰
variabel3variabelFührerscheinentzug, Freiheitsstrafe oder Geldstrafe
Fahruntüchtigkeit ab
1,1 ‰ im Blut
variabel3variabelBis 5 Jahre Führerschein- entzug, Freiheitsstrafe
1,09 ‰-Überschreitungvariabel3variabelFührerscheinentzug, Freiheitsstrafe oder Geldstrafe

Atemalkoholtest ablehnen

Grundsätzlich darfst du während einer Verkehrskontrolle den Alkoholtest verweigern. Das Pusten (am Atemalkohol-Vortestgerät) dient nämlich nur dazu, ein vorliegendes Verdachtsmoment der Polizei zu erhärten.

Das häufig geäußerte Argument von Polizisten, der Test diene nur der Entlastung, ist schlichtweg falsch, denn solange keine Beweise vorliegen, gilt in Deutschland stets die Unschuldsvermutung.

Ob die Beamten dich nach deiner Weigerung extra für den Bluttest mit auf die Wache nehmen, ist fraglich. Rechtexperten raten daher stets dazu, die Atemalkohol-Kontrolle abzulehnen.

Kann ich auch einen Drogentest ablehnen?

Neben den Alkoholtests gehören seit einigen Jahren auch Drogentests zum üblichen Repertoire der Verkehrspolizei. Nachdem anfänglich vor allem Speichel- und Schweißtests zum Einsatz kamen, wurden diese aufgrund ihrer Unzuverlässigkeit inzwischen weitgehend durch Urintests ersetzt.

Genau wie im Fall des Atemtests kannst du auch den Urintest ablehnen. Allerdings führt die Polizei einen solchen Test in der Regel nur dann durch, wenn zuverlässige Anhaltspunkte (wie beispielsweise eine verlangsamte Pupillenreaktion oder starke Nervosität) den Verdacht hervorrufen, dass ein Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz vorliegt.

Sofern genug verdächtige Anzeichen für eine Straftat im Straßenverkehr vorhanden sind, scheuen sich die Gesetzeshüter auch nicht davor, einen potenziellen Straftäter mittels kurzfristigem richterlichem Beschluss zur Abgabe eines Bluttests zu zwingen.

Bitte gib lieber deinen Autoschlüssel ab, als dich und andere zu gefährden.

Kein Freibrief für Verkehrssünder

Die Informationen dieses Artikels sollen nicht als Ermunterung zu Fahren unter Alkoholeinfluss missverstanden werden. Denn nach wie vor gilt: Alkohol und andere Betäubungsmittel haben hinter dem Steuer nichts zu suchen.

Mehr als 3000 Menschen starben im vergangenen Jahr auf deutschen Straßen. Die Hauptverursacher der tödlichen Unfälle: Überhöhte Geschwindigkeit und Trunkenheit am Steuer.



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