Vorletztes Jahr sind laut Statista fast 23.000 Senioren im deutschen Straßenverkehr mit ihrem PKW verunglückt. Viele Autofahrer halten Senioren sogar für eine regelrechte Gefahr auf der Straße und wollen deshalb Zwangstests einführen. Gerechtfertigt oder übertrieben?

Für niemanden in der Familie ist es eine gute Nachricht, wenn die Großeltern oder Eltern plötzlich nicht mehr Auto fahren können. Mobilität bedeutet schließlich Lebensqualität und Selbständigkeit. Dennoch sprechen sich rund ein Drittel aller Deutschen dafür aus, verpflichtende Kontrollen der Fahrtüchtigkeit von Senioren vorzunehmen.

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Gas ist rechts. Oder?

Bestätigt sehen sie sich durch spektakuläre Unfallberichte, die von den Medien aufgegriffen und reichlich ausgeschmückt werden. Oft wird in diesen Berichten Gas und Bremse verwechselt, manchmal mit tödlichen Folgen.

Im Gegensatz zu jüngeren Fahrern, bei denen Unfälle oft durch zu hohe Geschwindigkeit verursacht werden, begehen Senioren auch oft Vorfahrts-, Abstands- und Abbiegefehler.
Auch gibt es Berichte von Rentnern, die nach einem Unfall hilflos in ihren Autos verbleiben und Stunden oder sogar Tage lang auf Hilfe warten müssen.

Der GDV (Gesamtverband der Versicherer) schreibt, dass schon jetzt drei von vier Unfällen, in die Senioren verwickelt sind, auch von diesen verursacht wurden. Deshalb gibt es sogar bei vielen Kfz-Versicherungen einen Seniorenzuschlag. Beim diesjährigen Verkehrsgerichtstag wurde sogar diskutiert, ob es in Zukunft verbindliche Gesundheitstests für Autofahrer ab 75 Jahren geben sollte.

Viele Senioren geben ihren Führerschein freiwillig ab

Fakt ist: Wenn die Sicht schlechter wird und die Reaktion langsamer, dann muss das heikle Thema “Fahrtüchtigkeit” in der Familie einmal angesprochen werden. Auch Ärzte sind hier in einer guten Position, die Situation mit einzuschätzen und gute Ratschläge zu geben.

Denn auch wenn es für alle Beteiligten unangenehm ist: Die Sicherheit sollte immer im Vordergrund stehen. Wenn durch falsche Scham oder Sturheit letztlich bei einem Unfall Menschen zu Schaden kommen, sind nämlich am Ende alle die Verlierer.

Die gute Nachricht: Deutsche Senioren tendieren nicht unbedingt zu Selbstüberschätzung. Immer mehr Rentner geben ihren Führerschein sogar freiwillig ab, wenn sie sich nicht mehr fit für den immer komplizierter werdenden Verkehr fühlen. Allerdings ist dieser Idealzustand längst nicht in allen Familien Alltag.

Senioren-am-Steuer-mal-andersManche Angehörige sähen ihre Senioren lieber so durch die Gegend fahren.

Lange Fahrpraxis kann viele Defizite ausgleichen

Viele Senioren bemerken es überhaupt nicht, wenn körperliche Defizite beginnen, sie und andere im Straßenverkehr zu gefährden. Streitpunkte sind oft die Seh- und Hörfähigkeit, die Konzentrationsfähigkeit, Beweglichkeit und Kraft.

Diese Defizite müssen natürlich nicht immer gleich zur Fahruntüchtigkeit führen. Oftmals können die körperlichen Einschränkungen durch den großen Erfahrungsschatz ausgeglichen werden. Es sollte also nicht dein Ziel sein, die Senioren in deiner Familie um jeden Preis am Autofahren zu hindern.

Wichtig ist ein sensibler Umgang mit dem Thema und erhöhte Aufmerksamkeit deinerseits. Wenn du dir Sorgen machst, ob der Senior in deiner Familie noch fit für’s Steuer ist, dann begleite ihn regelmäßig und achte als Beifahrer ganz besonders auf folgende Dinge:

  • Erkennt er die Straßenschilder noch richtig und rechtzeitig?
  • Hört er rechtzeitig, wenn sich ein Rettungswagen nähert?
  • Reagiert er gewohnt schnell auf Hindernisse und Ampelschaltungen?
  • Klappt der Schulterblick noch?
  • Kennt er die Wege noch wie früher oder verfährt er sich in letzter Zeit häufiger?
  • Kennt er die aktuellen Verkehrsregeln?

Wenn du nach ein paar gemeinsamen Testfahrten tatsächlich ein Risiko siehst, dann versuche das Thema einmal vorsichtig anzusprechen. Und wenn du mit deinen Argumenten nicht weiter kommst, kannst du dir professionelle Hilfe holen.

Pflicht-Untersuchung für Senioren am Steuer? Nein, danke!

Verkehrsexperten warnen vor pauschalen Forderungen, ältere Autofahrer zu einer regelmäßigen Überprüfung ihrer Fahreignung zu verpflichten. Stattdessen empfehlen sie freiwillige Checks mit Verkehrspsychologen. Die Begutachtungsstelle für Fahreignung kann zum Beispiel eine Experten-Einschätzung abgeben.

Vor einer offiziellen Einschätzung musst weder du noch der Senior in deiner Familie Angst haben, denn Ärzte, Fahrlehrer sowie Institutionen wie TÜV und Dekra unterliegen der Schweigepflicht. Oft kann aber die offizielle Einschätzung eines Experten einen Senioren eher überzeugen, sich nicht mehr hinters Steuer zu setzen, als die “unqualifizierte” Meinung eines Familienmitglieds.

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Wann kommt es zum Führerschein-Entzug?

Nur die Fahrerlaubnisbehörde selbst ist befugt dazu, Senioren den Führerschein zu entziehen. Doch damit das passiert, muss schon eine akute Fremd- oder Selbstgefährdung festgestellt werden.

Wenn Senioren Angst haben, dass ihnen irgendwann der Führerschein entzogen wird, können sie vorbeugend an zahlreichen Programmen teilnehmen. Es gibt z.B. in Fahrschulen spezielle Auffrischungskurse für Senioren, in denen auf individuelle Probleme eingegangen wird. Hier kann zum Beispiel trainiert werden, wie der Schulterblick trotz körperlicher Einschränkungen ausgeführt werden kann.

Die Reaktionszeit kann beispielsweise beim Fahrsicherheitstraining des ADAC wieder verbessert werden. Und obendrein macht das Training auch noch richtig Spaß.

Genau wie die Einrichtung eines speziellen Seniorenautos kosten diese extra-Trainingseinheiten natürlich Geld. Das ADAC-Training ist ab 99 Euro zu haben, ein genereller Fahr-Fitness-Check bei einer Fahrschule wird um die 60 Euro kosten. Die Preise für richtige Fahrstunden variieren stark, in der Regel reichen aber bereits fünf Fahrstunden aus, um die Fahrsicherheit des Senioren erheblich zu verbessern.

Wie kann ich einem autofahrenden Senioren helfen?

  • Sei sensibel und setze ihn/sie nicht unter Druck
  • Begleite ihn/sie auf Fahrten
  • Schlage ihm/ihr Beratungstermine vor
  • Schenke ihm/ihr Auffrischungs-Fahrstunden
  • Schenke ihm/ihr ein Sicherheitstraining des ADAC
  • Biete dich als Fahrer an
  • Bitte ihn/sie, auf Nachtfahrten oder Fahrten bei schlechtem Wetter zu verzichten
  • Bitte ihn/sie, nur gewohnte Strecken zu fahren

Bei einem Unfall kann der automatische Notruf dein Leben retten.

Was, wenn doch ein Unfall passiert?

Dies betrifft natürlich nicht nur Senioren: Wir alle sind nicht vor Unfällen im Straßenverkehr sicher. Aber durch die eventuell eingeschränkte Beweglichkeit können Senioren nach einem Unfall wesentlich höher gefährdet sein – eventuell können sie nämlich nicht mehr selbst um Hilfe rufen.

Deshalb empfiehlt sich die Installation eines Automatischen Notrufs im Auto. Laut EU-Kommission könnten durch den Einsatz solcher Systeme jährlich 2500 Menschenleben gerettet werden. Deshalb hat das EU-Parlament sogar darüber abgestimmt, den sogenannten “eCall” ab 2018 zur Pflicht für alle neuen Kraftfahrzeuge zu machen.

Die Möglichkeiten für eine Nachrüstung des automatischen Notrufs sind vielfältig, jedoch oft mit monatlichen Kosten verbunden. Eine Möglichkeit, ohne laufende Kosten den automatischen Notruf nachzurüsten, ist ein System aus OBD2-Bluetooth-Stecker und App wie das von PACE.

Nach einem Unfall wird automatisch ein Countdown in Gang gesetzt. Beendet der Fahrer diesen Countdown nicht rechtzeitig, wird ein Kontakt zur Rettung hergestellt. Die Gefahr, dass ein Senior nach einem Unfall stunden- oder sogar tagelang hilflos in seinem Auto liegt, wird so beseitigt.

Die PACE Redaktion wünscht dir und deiner Familie eine gute Fahrt!