Die Entwicklung eines Autos dauert manchmal Jahre und verschlingt Unsummen von Geld. Am Beispiel der Mercedes E-Klasse waren dies beispielsweise fünf Jahre und über zwei Milliarden Euro. Viel Zeit, viel Geld und viele Ressourcen – wenn da am Ende nicht alles stimmt, ist das weit mehr als ärgerlich!

Gerade das Marketing für das neue Modell muss dann haargenau passen. Wie sieht das Auto aus? Wie fühlt es sich an, wenn man das Lenkrad berührt? Und was muss sein Name aussagen? Der Name des Modells ist nicht nur das erste, was man von einem Auto verinnerlicht. Es transportiert auch, was es kann und an wen es sich richtet. Die Wahl muss deswegen sehr penibel sein und muss auch vorherige Modelle beachten. Konsonanten müssen behutsam gewählt, Bedeutungen in verschiedenen Sprachen geprüft und der Klang für das internationale Publikum fein säuberlichst komponiert werden. Denn spricht der Name niemanden an oder transportiert er die falsche Botschaft, kauft schließlich niemand.

„Wir testen die Begriffe auf ihre Bedeutung in mindestens 17 Sprachen – regionale Dialekte kommen oft noch hinzu. Ein Name soll schließlich nicht nur in Deutschland, sondern auch international funktionieren.“

  • Martin Polland, Verantwortlich für Naming bei der Marke Volkswagen

Ford ist leider gleich zwei Mal ins Fettnäpfchen getreten. So wird in Südamerika ein Betrunkener, ein Feigling oder auch ein Bandit als Pinto bezeichnet. Ist dieser Modellname somit quasi für einen ganzen Kontinent unbrauchbar, musste sich Ford für seinen Kuga nur in Kroatien etwas anderes einfallen lassen: denn das Wort bedeutet in der Landessprache Pest.

Ford_Kuga_20090811_front.jpgQuelle: S 400 HYBRID - Eigenes Werk (own photo)

Fettnäpfchen-König Spanisch

Auch Mitsubishi hat im spanischsprachigen Raum mit seinem Pajero danebengegriffen. Das Wort beschreibt in Spanien eine Tätigkeit männlicher Eigenliebe. Mazda hingegen benannte seinen Laputa nach einer Prostituierten (la puta = „die Hure“). Chevrolet wunderte sich, wieso der Absatz seines Chevy Nova in Mexiko so schleppend lief. Schließlich fand das Unternehmen heraus, dass no va übersetzt so viel wie „fährt nicht“ bedeutet. Auch Opel hatte Probleme damit, seinen Ascona in Spanien zu verkaufen. Dabei bezeichnet cona die weiblichen Geschlechtsorgane auf sehr vulgäre Weise.

Opel_Ascona_A_1974.jpgQuelle: Dieter Mueller aus der deutschsprachigen Wikipedia, CC BY-SA 3.0

Um die Ecke denken: Französisch

Toyota dachte sich mit einer Abkürzung sicher vor diesem Problem. Aber mit dem MR2 langten sie dabei so richtig in die vollen. Die französische Sprache ist reich an Abkürzungen und die Franzosen sind es gewohnt, diese flüssig auszusprechen. So wurde aus MR2 schnell ein rundes merde, was übersetzt einfach nur scheiße bedeutet. Mit diesem Fauxpas steht der japanische Autobauer nicht allein da. Selbst der deutsche Hersteller Audi musste sich der französischen Häme unterziehen. So vokalisiert der Franzose Laute geschlossener, was aus dem E-tron kurzerhand einen ètron, einen Kothaufen, machte.

Ähnlich unbedacht wählte auch Rolls Royce den Namen für seinen Silver Mist. Im Deutschen poliert der Edel-Hersteller damit sein Image nicht leider nicht zum Besten auf. Ähnlich ging es Mitsubishi auf dem deutschen Markt mit dem i-Miev. Von dem sauberen Vorankommen ist dabei dem Namen nach leider wenig zu entnehmen.

Mitsubishi_i_MiEV_01.jpgQuelle: Hatsukari715 - Eigenes Werk, Gemeinfrei

Mythologischer Absturz

Auch VW musste namenstechnisch mit seinem Phaeton buchstäblich eine Bruchlandung erleben – und diese leider gleich international. Im Prinzip ist dieser elegante Name das passende Ensemble für die Limousine. Allerdings war Phaeton in der griechischen Mythologie ein überheblicher Knabe, der den Wagen des Sonnengottes nicht steuern konnte und deswegen eine Katastrophe universalen Ausmaßes hervorrief.

Peter_Paul_Rubens_-_The_Fall_of_Phaeton_(National_Gallery_of_Art).jpgQuelle: Peter Paul Rubens - nga.gov National Gallery of Art, Washington D.C., Gemeinfrei

Um diesen Problemen von vornherein aus dem Weg zu gehen, entschlossen sich beispielsweise Mercedes oder BMW dazu, ihren Modellen einfachere Bezeichnungen zu geben: A-, B- oder C-Klasse oder etwa 3er, 5er oder 7er. Imageverlusten ist so bereits ein Riegel vorgeschoben. Allerdings vergeben sich zumindest diese beiden Autobauer so auch die Chance, eine Legende wie den Mustang, Golf oder 911 zu erschaffen.