Musik macht uns traurig, sie macht uns fröhlich oder auch völlig aufgedreht. 90 % der Menschen hören während des Autofahrens Musik; aber nur die wenigsten machen sich Gedanken darüber, welche Auswirkung das haben kann. Wir haben die verbreitetesten Mythen rund um das Thema Musik und Autofahren auf ihren Wahrheitsgehalt hin überprüft!

Mythos 1: Klassik lässt dich entspannt fahren

Schon im Mutterleib beschallen erfolgsorientierte Eltern ihren Nachwuchs mit klassischer Musik, da diese den Fähigkeiten besonders förderlich sei. In der Tat haben viele Studien bereits nachweisen können, dass klassische Musik bei Konzentration und Lernaufgaben helfen kann. Wieso also soll das nicht auch beim Autofahren funktionieren?
Adrian North und David Hargreaves haben es in einer Studie 2007 ganz genau genommen und 2000 Teilnehmer nach Verkehrsstrafen und ihrer Lieblingsmusik befragt. Überraschenderweise fanden sich weder Techno noch Heavy Metal unter den Sündenböcken für eine höhere Unfallwahrscheinlichkeit:


  • Country & Western

  • Klassik

  • Oper

  • Blues

  • HipHop/Rap

  • Soul


Episch aber wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge gefährlich: die Bohemian Rhapsody

Bei dieser Umfrage gilt es bereinigend zu beachten, dass das Durchschnittsalter dieser Musikrichtungen entsprechend der Zielgruppen in diese Aussage mit aufgenommen werden muss. Es gibt kaum 20jährige, die Wagner so zugetan sind. Die hinteren Plätze der Umfrage belegen dabei Musicals, aktueller Pop, Techno und Rock. Diese Auffälligkeit deckt sich auch mit den Ergebnissen der Musikwissenschaftlerin Helga de la Motte-Haber. Sie rät von zu anspruchsvoller Musik wie der Klassik ab. Pop sei für’s Fahren am besten geeignet. Diese Musikrichtung ist nicht sehr anspruchsvoll, vorhersehbar und – was am besten ist – mit einem guten Beifahrer sorgt sie für die beste Unterhaltung!


How I met your mother: Ted und Marshalls Hymne

Mythos 2: Musikwahl ist einer der Hauptstreitpunkte beim Fahren

Gemeinsame Autofahrten können selbst die gesündeste Beziehung auf eine harte Probe stellen. Ähnlich eines IKEA-Besuches an einem Samstagnachmittag, kommen hier mehrere Stressoren zusammen. Einer Umfrage unter britischen Autofahrern zufolge dauert es durchschnittlich 22 Minuten, bis zwischen einem Paar im Auto ein Streit ausbricht. Lassen wir das Vorhandensein von Kindern außen vor, gehört die Musikauswahl tatsächlich für 20 % der Autofahrer zu den Top-Streitthemen. Hilfreich gemeinte Hinweise zum Fahrstil des anderen dominieren allerdings immer die Hitliste der Auto-Eskalationen. Dabei können schon kleinste Nonverbale Signale wie das beifahrerseitige Mitbremsen zum Streit führen. So klein der Anlass - so groß die Folge. Unter den Briten gab demnach jeder Zehnte an, dass nach solch einem Streit auch die Beziehung zu Ende war.


Einfach mal neue Gemeinsamkeiten finden!

Abhilfe versprechen mittlerweile die Autobauer; durch spezielle Lautsprecher sollen Partner demnach nicht nur autonom voneinander über ihr Wohlfühlklima entscheiden können – sondern auch über die Musik. Mit speziellen Boxen, die den Klang gezielt abgeben können, kann sich der Beifahrer nun komplett isoliert beschallen lassen.


Big Bang Theory: Amy und Howard sind sich einig

Mythos 3: Musik lenkt uns von der Straße ab

In ihrer Studie „The influence of music on mental effort and driving performance“ untersuchten Ayça Berfu Ünal, Linda Steg und Kai Epstude an der Universität von Groningen, unter welchen Bedingungen sich Musik beim Autofahren ungünstig auswirken könne. 69 Studienteilnehmern wurde während der Fahrt in einem Simulator entweder „ihre“ Musik vorgespielt oder gar keine. Die Fahraufgaben waren identisch, sodass das Verhalten der Fahrer vergleichbar ist. Die Hauptfrage, der die Forscher nachgegangen sind war dabei, ob das Gehirn dazu in der Lage sei, sich auf die Fahraufgaben gleichermaßen gut zu konzentrieren, wenn Musik gespielt würde. Oder anders formuliert; wie sehr Musik den Fahrer von seinen eigentlichen Fahraufgaben ablenkt.


Manchmal sind es aber auch einfach die Beifahrer!

Besonderes Augenmerk lag dabei auf den sogenannten „kritischen Fahrsituationen“, denn übliche Fahraufgaben wurden mit und ohne Musikeinfluss gleichermaßen gut gelöst. In einem der Tests sollten die Teilnehmer ihren Abstand und ihre Geschwindigkeit zu einem vorausfahrenden Auto anpassen. Die Musikhörenden reagierten durchschnittlich 1 Sekunde schneller und stellten sich zügiger auf die veränderte Situation ein. Ein weiteres Szenario beschrieb ein ausparkendes Auto, auf welches die Teilnehmer Rücksicht nehmen sollten.

Die Musikhörenden zeigten dabei eine erstaunlich hohe Quote an „Kontaktaufnahme“ („time-to-contact“) – nahmen das Auto also früher wahr und konnten dem entsprechend besser reagieren.
Die Forscher fanden keine Hinweise darauf, dass das Musikhören während der Fahrt zu einer verschlechterten Wahrnehmung führe oder die Konzentration merklich beeinträchtigt wäre. Die Hypothese, dass das Gehirn mit dem Hören sowie dem gleichzeitigen Fahren „überladen“ sei, konnten sie damit widerlegen. Sie bezeichneten das Hören von Musik beim Autofahren demnach als ablenkenden aber auch durchaus anspruchsvollen Stimulus.


Und wenn gar nichts mehr hilft, dann einfach mal abregen mit einem kleinen Song

Mythos 4: Mercedes-Fahrer hören andere Musik als BMW-Fahrer

Über TNS Infratest hat mobile.de sich unter Autofahrern umgehört, welche Musik die Deutschen im Auto bevorzugen. Ausgehend von dem Mythos, dass Menschen, die eine bestimmte Automarke bevorzugen, in der Masse auch bestimmte Musikrichtungen bevorzugen, wollten sie herausfinden, ob Opelfahrer tatsächlich nur Volksmusik und Mercedesfahrer Klassik hören.

Tatsächlich lassen sich einige Musikrichtungen bei bestimmten Marken öfter finden. So scheinen BMW-Fahrer ein ausgeprägteres Faible für Heavy Metal zu haben (10,3 %) und Mercedesfahrer einen überdurchschnittlichen Gefallen an Volksmusik zu finden (25,1 %). Hip-Hop findet besonderen Anklang bei Fordfahrern (12,3%) – was besonders spannend ist, betrachtet man die Quote von Klassik (12,8 %) und Volksmusik (10,2 %). Unangefochten auf Platz eins und das bei allen Marken ist Rock und Pop. Unter allen sieben abgefragten Marken führte diese Musikrichtung sämtliche Charts an. Platz zwei belegt überproportional oft Klassik. Ob Audi, Ford, BMW, Renault oder VW – nach Rock und Pop hören die meisten Besitzer dieser Marken Klassik. Lediglich in einem Opel oder Mercedes wird der Volksmusik noch der Vorzug gegeben.


Pontiac Aztek: Walter hört gern Folk-Rock

Mythos 5: Singen und Fahren gleichzeitig ist gefährlich

Aktuelle Studien aus England und Australien sind der Frage nachgegangen, was passiert, wenn wir hinter dem Steuer singen. Zu vermuten wäre ein niedriger Aufmerksamkeitslevel, der zu gefährlichen Situationen führen könnte. Allerdings ist den Forschern zu Folge genau das Gegenteil der Fall. Besonders in langweiligen und unaufregenden Situationen kann das Singen am Steuer demnach gerade zu vermehrter Konzentration und somit erhöhter Sicherheit führen.


Ambitioniert aber gefährlich: Guns’n’Roses-Acapella

Beispielsweise ist dies in einem Stau oder sehr zähfließendem Verkehr der Fall. In diesem sucht sich das Gehirn normalerweise irgendwo Impulse, die es nun während der "Fahrt" nicht findet. Geben wir ihm diese Form der Manifestation in Form des Singens, können wir die restliche Konzentrationsfähigkeit besser auf die Straße richten. Auch hilft dieser kleine Trick, wenn du merkst, dass du etwas müde wirst beim Fahren. Beim Singen ist bisher noch keiner eingeschlafen.


Und so geht es richtig!