Autowerbung hat sich seit den 1950ern wahnsinnig gewandelt! Nicht nur die Darstellungen, sondern auch die Aspekte, auch welche Wert gelegt wurden, wechselten sich munter ab. Mussten in den 1950ern Menschen erst davon überzeugt werden, dass sie ein Auto bräuchten, standen in den folgenden Jahrzehnten die Vorzüge der Modelle im Mittelpunkt.

Die Etats schienen irgendwann keine Rolle mehr zu spielen; möglichst groß, möglichst auffällig und Hauptsache viral! Dass dabei auch Grenzen des guten Geschmacks übertreten werden, ist dabei zweitrangig. Das Ziel war es, dass die Zuschauer auch ihren Freunden und Kollegen von der Werbung erzählten und die Reichweite so noch kostenlos vergrößert wird. Das Motto lautet also: Im Kopf bleiben!

BMW Isetta (1955 bis 1962)

Schöne neue Autowelt! Mit charmanten Comicfiguren und sanfter Hintergrundmusik versuchte BMW in den 1950ern seinen Isetta an den Mann und auch an die Frau zu bringen. Zu einem Preis von 2.580 DM wurde das nach italienischem Vorbild gefertigte 12 PS-Auto in den Jahren 1955 bis 1962 ganze 161.728 Mal verkauft. Die Isetta avancierte zu einem der Symbole für das Wirtschaftswunder Deutschlands und wurde auch ein echter Export-Schlager.
Das clevere Merkmal der Isetta: der Einstieg ist vorne!

Übrigens; in der Schweiz wurde 2016 ein auf der Isetta basierender Elektroauto-Prototyp vorgestellt. Der Microlino verfügt ebenso über zwei Sitzplätze und hat eine Reichweite von 100 Km. Als Stadtflitzer konzipiert, erreicht er eine Maximalgeschwindigkeit von 100 Kilometern pro Stunde und ist somit für die täglichen Fahrten ideal geeignet. Die Auslieferung erfolgt ab 2018.
Der Ur-Enkel der Isetta ist ein reines Elektro-Auto und echter Eyecatcher!

Opel Kadett A (1962 bis 1965)

Im Werbespot begegnet uns bereits ein versierter Autoverkäufer, der die Vorzüge des Modells genau anzupreisen weiß. Mit „vier richtigen Sitzen“ wird das Modell im Spot als „O.K.“ vorgestellt und direkt im Autohaus präsentiert. Unprätentiös und unaufgeregt wird hier bald mehr das rhetorische Können des Verkäufers, als das Können des Fahrzeuges in den Vordergrund gerückt. Dem Publikum hat’s gefallen, denn das 40 PS-Raumwunder lief in den drei Jahren 649.512 Mal vom Band!

Unspektakulär aber dafür unglaublich vertrauensbildend

Ford Taunus TC (1973 bis 1974)

Endlich kann im Auto Saft getrunken werden! Nein, das ist nicht die Grundaussage des Spots, allerdings bekommt man selbst beim Zusehen schwitzige Hände, wenn der Junge sich mit dem Becher so dicht an das Polster lehnt. Spannend ist dabei jedoch die coole von „Shaft“-Musik im Hintergrund. Action, Abenteuer, Geschwindigkeitsrausch und nicht zuletzt eine Menge seltsamer Anspielungen innerhalb des Spots lassen vermuten, dass es für das Modell bereits eine Vorgeschichte gibt. Das Vorgängermodell (TC ’71) wies einige Mängel in der Qualität auf, weswegen er vom ADAC den Preis für die gravierendsten Neuwagenmängel bekam.

Nach dem Motto “Schau mal, was mein Auto jetzt alles kann!” präsentiert Ford sich allen Lebenslagen gewachsen.

Audi 100 CS (1982 bis 1987)

Minus 20 Grad Celsius, Schnee, eine 80-prozentige Steigerung und ein Allradradantrieb, der 1986 Autogeschichte schrieb. Mit diesem Werbespot, in dem ein Audi eine Skisprung-Schanze nach oben fährt, hat das Unternehmen Werbegeschichte geschrieben. Engagiert für diesen Trip wurde der Rallyefahrer Harald Demuth, welcher das Auto auf der schneebedeckten Schanze entlangfahren sollte. Ganze vier Tage lang wurde bei gerade einmal 3 bis 4-stündiger Helligkeit in Finnland die spektakuläre Tour 13 Mal gefahren, bis alles fertig im Kasten war. Das Ergebnis ist ein atemberaubender Beweis, was Ingenieurskunst zu leisten vermag!
Unglaublich waghalsig und bis heute ein echter Klickhit! Mit diesem Spot hat Audi Geschichte geschrieben.

19 Jahre später wiederholt Audi diese herausfordernde Strecke – dieses Mal allerdings mit dem A6:

Peugeot 306 (1993 bis 2001)

Mit der Entschuldigung “Danke, ich wollte ihn nur mal von vorne sehen!”, schnitt der Hovercraft dem kleinen Peugeot den Weg ab. Dieser Spot gehört eindeutig zu jenen, die wir alle aus den 1990ern kennen. Neben der Single-Frau, die es befriedigt, ihrem Kuscheltiger „Sheba“ aufzutischen und „Captain Iglu“, der Kindern eine falsche Vorstellung vom Kapitalismus verschafft, gehört diese Peugeot-Werbung dann doch zu den realistischeren Versprechungen der 90er Werbewelt.

Ein Auto, das man unbedingt kennen muss und das jeden Aufwand Wert ist.

Toyota Corolla Verso (1997 bis 2009)

Nach sprechenden Tieren in den 90ern, welche den Slogan „Nichts ist unmöglich“ gefühlt millionenfach ins Gehirn hämmerten, versucht es Toyota jetzt ein bisschen erwachsener. Zwei Ehepaare beim vergnüglichen Nachmittagskaffee. Aber mal den sexistischen Inhalt bei Seite gelassen, ist doch das lustige aus heutiger Sicht das schöne weiße Tuch, das vor dem Auspuff gehalten wird.

Gerade einmal 10 Jahre alt und schon können wir drüber schmunzeln.