Du musst weder Elon Musk noch Homer Simpson heißen, um deinen Traum vom selbst entwickelten Auto zu verwirklichen. Persönliches Design und ausgefeilte Technologien für dein Fahrzeug sind nämlich auch bei den Star-Tunern von Abt Sportsline zu bekommen.

Erst im Dezember wurde der Geschäftsführer des Familienbetriebs, Hans-Jürgen Abt, von AUTO BILD als Unternehmerpersönlichkeit des Jahres ausgezeichnet. Die PACE-Redaktion hat den erfolgreichen Mechaniker und Kaufmann auf der Essen Motor Show zum Interview getroffen.

Hans-Jürgen, ihr veredelt, tunt, legt tiefer, und das schon seit 120 Jahren. Was war bei Abt bisher Euer tollstes Objekt?

Unsere Kunden sind so unterschiedlich wie die Palette des VW- und Audi-Konzerns. Einige lieben zum Beispiel das gepflegte Understatement und möchten ein möglichst unauffälliges Fahrzeug mit enormer Leistung. Andere wiederum sind mit der Serienleistung völlig zufrieden, möchten sich jedoch optisch von der Masse abheben – sei es nur durch andere Felgen oder gleich ein komplettes Aerodynamik-Kit. Viele möchten auch beides. Das ist natürlich immer eine Frage des finanziellen Spielraums: Ganz oben rangieren unsere limitierten Komplettfahrzeuge, die ein ultimatives Package aus Leistung und Optik bieten. Als Basis dienen in diesem Fall ausschließlich die „vorderen Ränge“ der Modellpalette. Wer es noch einzigartiger wünscht, kann sich natürlich auch an unsere Abteilung „ABT Individual“ wenden. Von einem tollsten Objekt zu sprechen ist deshalb sehr schwer – aktuell bin ich großer Fan meines ABT RS6+.

„Schnelle Maschinen haben die Menschen schon immer fasziniert – und davor waren es Kutschen und Pferde.“

Ihr seid nicht nur für PS-Freaks eine Anlaufstelle, sondern verbessert vor allem auch das Fahrgefühl. Kannst Du kurz zusammenfassen, was sich für den Kunden nach einem Gang zu ABT verändern kann? Wie fühlt es sich an, mit einem ABT-Car zu fahren?

Wir sprechen ganz unterschiedliche Reize an: Den größten Wow-Faktor bieten natürlich unsere Leistungssteigerungen. Beim Tritt aufs Gaspedal werden buchstäblich „literweise“ Endorphine ausgeschüttet. Die optischen Modifikationen wiederum machen besonders nachhaltig Eindruck – es macht einfach Spaß, das Spiegelbild des eigenen Autos in einer Schaufensterscheibe zu bewundern oder es in der heimischen Garagenauffahrt zu erblicken, wenn man in der Früh zur Arbeit geht. Einmal eingestiegen sind natürlich auch kleine Details im Innenraum wichtig, die den Fahrer stets daran erinnern, dass er in einem ABT sitzt. Hier spielt natürlich auch der zusammen mit PACE entwickelte ABT Power Monitor in Zukunft eine wichtige Rolle.

In der ABT Sportsline-WerkstattIn der Abt-Werkstatt in Kempten im Allgäu

Kannst du das mit der Werksgarantie kurz für den Laien erklären? Wie funktioniert das bei Euch?

Da die Werksgarantie bei einer Leistungssteigerung unabhängig von der Qualität der durchgeführten Arbeiten automatisch erlischt, wir uns aber bei den ABT Power Stufen absolut sicher sind, füllen wir die entstehende Lücke durch unsere ABT Neuwagen Garantie. Diese endet zwei Jahre nach dem Tag der Erstauslieferung des Fahrzeugs oder mit dem Erreichen einer Laufleistung von 100.000 Kilometern. Bei bereits etwas älteren Fahrzeugen ist gegen Aufpreis auch die Übernahme werkseitig vereinbarter Anschlussgarantien möglich.

Wie schafft Ihr es, dass alles, was Ihr mit einem Auto anstellt, legal ist? Wo wir doch in Deutschland so vielen Regeln unterliegen ...

Wir sind schon sehr lange im Tuning-Geschäft und quasi regelrecht in das Regelwerk hineingewachsen, das ja auch nicht von Anfang an da war, sondern sich Stück für Stück entwickelt hat. Durch unsere wirtschaftliche Größe können wir uns zudem modernes Equipment, top ausgebildete Mitarbeiter und aufwändige Testverfahren leisten. Unser Rollenprüfstand etwa gehört zu den leistungsfähigsten Modellen auf dem Markt.

"E-Mobility-Tuning? Man soll ja nie nie sagen!"

Seit Dezember habt Ihr PACE im Angebot. Kannst Du kurz erklären, wie diese neue Technik Euren Kunden helfen wird?

Eine Leistungssteigerung bietet einen grandiosen Spaßfaktor. Letztendlich bleibt der Mehrwert jedoch vor allem ein subjektives Gefühl, da man den „Zugewinn“ im Alltag nicht wirklich sehen kann – von den offiziellen Tests der Automedien einmal abgesehen. Dank des ABT Powermonitor, den PACE in die App implementiert hat, können unsere Kunden jedoch ab sofort jederzeit erfahren, wieviel ABT Power sie aktuell abrufen und wo die serienmäßigen Reserven enden.

Ihr habt einen eigenen eMobility-Bereich? Wie sieht das Tuning eines Elektro-Autos aus?

Wer unser Engagement als Werksteam in der Formel E kennt, weiß, dass wir auch elektrisch sehr schnell unterwegs sind – immerhin konnten wir 2017 den Meistertitel holen. Was unsere „zivilen“ E-Aktivitäten betrifft, so beschäftigen wir uns aktuell jedoch vor allem mit praktischen Lösungen. Nach mehreren Pilotprojekten im Bereich leichte Nutzfahrzeuge können wir so zum Beispiel das eCab, ein vollelektrifiziertes T6-Transporterfahrgestell anbieten. Zudem offerieren wir eine Reihe von Engineering-Dienstleistungen für andere Firmen im E-Mobility-Bereich. Was das Tuning anbetrifft: Man soll ja nie nie sagen!

Was ist deiner Meinung nach das größte Problem an der Elektro-Mobilität?

Die Fahrzeuge selbst sind schon sehr weit: Für den Alltag reichen die erzielbaren Reichweiten schon seit vielen Jahren perfekt aus. Mit aktuellen Spitzenmodellen sind selbst längere Touren ohne Nachladen möglich. Die Fahrleistungen müssen sich schon gar nicht vor aktuellen Fahrzeugen mit Benzin- und Dieselmotoren verstecken. Lediglich bei der Höchstgeschwindigkeit sind hier noch Abstriche zu machen. Nachholbedarf gibt es vor allem bei der Ladeinfrastruktur – wer in Großstädten beispielsweise zur Miete wohnt, hat aktuell noch schlechte Karten, da er zu Hause nicht aufladen kann. Mit steigender Ladegeschwindigkeit werden jedoch auch öffentliche Ladestationen zu einer komfortableren Alternative. Für die Ökobilanz ist der Strommix natürlich ebenfalls ein entscheidender Faktor, doch hier steigt der Anteil regenerativer Energien ja hoffentlich immer weiter.

Formel-E by AbtABT stellt das einzige Deutsche Team bei der Formel E

Wie wäre es mit einer FORMEL O – autonom, ganz ohne Fahrer?

Lucas die Grassi, der 2017 für uns den Fahrertitel in der Formel E gewann, ist vor kurzem neuer CEO von Roborace geworden. Es handelt sich dabei um eine vollautonom fahrende Serie, die Stück für Stück im Rahmenprogramm der Formel E etabliert werden soll. So gesehen sind die Weichen für eine „FORMEL O“ bereits gestellt. Technologisch ist das eine ganz spannende Sache – allerdings fehlt hier der Faktor Mensch. Und gerade Rennfahrer sind auch aufgrund ihrer unterschiedlichen Charaktere schon immer besonders faszinierende Persönlichkeiten gewesen. Dieser Teil der Fankultur würde dann wegfallen.

Wird es Petrol Heads immer geben?

Ob sich das Wort Petrol Head – wörtlich „Benzinkopf“ – auch dann noch hält, wenn längst alternative Antriebe übernommen haben, wage ich zu bezweifeln. Auto-Fans allerdings wird es noch sehr lange geben. Schnelle Maschinen haben die Menschen schon immer fasziniert – und davor waren es Kutschen und Pferde. Vor über 120 Jahren haben auch wir schließlich einmal als Schmiede angefangen. Der Rausch der Geschwindigkeit und die Faszination für die Technik wird die Menschen so schnell also nicht loslassen, egal mit welchem Treibstoff die Autos der Zukunft fahren, egal ob sie mit Rädern oder Flügeln daherkommen, sich autonom bewegen oder von einem Menschen gelenkt werden.

Hans-Jürgen Abt by Thomas_KiechleHans-Jürgen Abt begann 1980 mit der Ausbildung zum Speditionskaufmann und anschließend zum Automechaniker. 1991 übernahm er den Tuning-Bereich des elterlichen Unternehmens und überführte es in die neu gegründete Firmengruppe ABT Sportsline GmbH. Um die Jahrtausendwende stieg ABT in die DTM ein.





Bildquellen: (c) Abt Sportsline, Thomas Kiechle